wird alles mitgeloggt!?

Februar 28, 2009

Da auch mein Arbeitgeber  (oui, oui, ich zahle endlich Steuern) unangekündigt eine Kamera im Flur installiert hat, weise ich gerne auf die jüngte Folge von Chaosradio hin:

Datenschutz für Arbeitnehmer – belauscht, bespitzelt, abgeschnorchelt?

Die Skandale um Lidl, Edeka, Rewe oder Burger King sind längst keine bedauerlichen Einzelfälle mehr, sondern Zeichen einer um sich greifenden Fehlentwicklung. Denn bisher gibt es keine spezifischen Regelungen für den Datenschutz bei Arbeitnehmern, die den Umgang mit persönlichen Daten im Arbeitsverhältnis eindeutig klarstellen. Zwar hat die Bundesregierung solche Regelungen im Koalitionsvertrag versprochen, passiert ist aber in puncto Rechtsklarheit für Beschäftigte nichts.

Das Ausspionieren der Belegschaften geht also munter weiter: Da werden Gentests von Bewerbern gefordert – natürlich ganz „freiwillig“ –, heimliche Videokameras nach Gutdünken gegen Mitarbeiter eingesetzt, das Surfverhalten mitprotokolliert usw. Der Mitarbeiterdatenschutz ist also diesmal Thema des Chaosradio: Wie werden Arbeitnehmer heute überwacht? Und wie sollen künftige gesetzliche Regelungen aussehen?

> als Download oder audio-on-demand bei Chaosradio

> auch interessant: golem-Artikel über forensische Software zur Mitarbeiterüberwachung


tender to all gender

Februar 28, 2009

Hört, hört: Die Charité hat den bundesweit ersten Väterbeauftragen ernannt. Väterbeauftragte Dr. Jakob Hein (Psychiater, Schriftsteller & Vater) ist die Anlaufstelle für alle männlichen Mitarbeiter, die erwägen, zur Betreuung ihres Kindes in Elternzeit zu gehen. Hier können sie sich über rechtliche und vertragliche Rahmenbedingungen informieren, Fragen stellen und moralische Unterstützung für die Durchsetzung ihres Vorhabens bekommen.

> Interview mit Jakob Hein in der Berliner Zeitung

Gute Idee: Zum kommenden Wintersemester 09/10 startet die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW) den deutschlandweiten ersten Frauenstudiengang Informatik und Wirtschaft. Er umfasst sechs Semester und schließt mit einem Bachelor of Science ab. Für studierende Mütter wird ein flexibles Studienprogramm und Unterstützung bei der Kinderbetreuung geboten.

> Infoblatt (PDF) zum Studiengang


petitio = angriff

Februar 7, 2009

Ich möchte auf drei interessante Petitionen hinweisen. Die zum bedingungslosen Grundeinkommen ist schon sehr intensiv per Email verbreitet worden. Sie hat von allen aktuellen ePetitionen die meisten Mitzeichner/innen. Die Mitzeichnungsfrist für diese Petition endet am 10.2.09.  Wer noch mitzeichnen möchte, muss sich vorher registrieren.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen… das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen.

Begründung

Unser Finanz- und Steuersystem ist sehr unübersichtlich geworden. Auch die Arbeitslosenquote scheint eine feste Größe geworden sein. Um nun allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten, erscheint mir die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als guter Lösungsweg. Ca. 1500€ für jeden Erwachsenen und 1000€ für jedes Kind. Alle bestehenden Transferleistungen, Subventionen und Steuern einstellen und als einzige(!) Steuer eine hohe Konsumsteuer einführen. Eine deutliche Vereinfachung unseres komplizierten Finanzsystems erscheint mir zwingend erforderlich. Auch ginge mit dieser Veränderung ein deutlicher Bürokratieabbau, und damit eine Verwaltungskostenreduzierung, einher.

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zum traumjob

Januar 15, 2009

Dieser Text hat mich heute per Mail erreicht. Von wem er stammt, weiss ich nicht. Zuerst dachte ich „abgelutscht“, aber dann musste ich doch lachen. Ich habe ihn zum Zwecke des Abdrucks leicht modifiziert.

GESUCHT: SMILING MOTIVATOR

IHR PROFIL:

Zuerst sollten Sie gut aussehen, als Maßstab gelten aktuelle Vorabendserien oder die Werbung. Falten schmälern Ihre Chancen, besonders bei Damen. Herren mit beginnendem Haarausfall gelten als B-Auswahl.

Sie sind nicht älter als 27 und verfügen über mindestens 10 Jahre Berufserfahrung, möglichst in leitender Position mit einigen Jahren im Ausland. Neben Ihrer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung und Prädikatspromotion inklusive Master of Business Administration an einer renommierten internationalen Universität (gerne Harvard oder Oxford) haben Sie sich ausführlich dem Allgemeinwohl oder dem Tierschutz gewidmet.

Vertriebserfahrung und fundierte SEO-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Sie beherrschen sämtliche Kommunikationsformen – Telefon, Internet, Morsen und Rauchzeichen eingeschlossen. NS-Office bedienen Sie im Schlaf, ebenso wie SAP und die Produktpaletten von Adobe und Macromedia. Flash-Programmierung ist eine Ihrer leichtesten Übungen. Den Rest des Beitrags lesen »


menschenwürde

Dezember 2, 2008

Das Institut für Menschenrechte hat eine Studie zum Thema MENSCHENWÜRDE veröffentlicht: „Menschenwürde. Der Grund der Menschenrechte“. Autor ist Heiner Bielefeldt, der Direktor der Instituts (welches übrigens derzeit Stellen ausschreibt).

Zum Thema WÜRDE zitiere ich aus dem Formular „Eingliederungsvereinbarung“ der Jobcenter, welches jeder ALG- II-Empfänger unterschreiben muss (in diesem Dokument werden Maßnahmen zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt fixiert):

Sie sind verpflichtet, Änderungen (z.B. Krankheit, Arbeitsaufnahme, Umzug) unverzüglich mitzuteilen und bei einer Ortsabwesenheit vorab die Zustimmung des persönlichen Ansprechpartners einzuholen. Bei einer unangemeldeten oder unerlaubten Ortsabwesenheit entfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld II, auch bei nachträglichem Bekanntwerden. Wird ein genehmigter auswärtiger Aufenthalt unerlaubt verlängert, besteht ab dem ersten Tag der unerlaubten Ortsabwesenheit kein Anspruch auf Leistungen mehr.

Der Begriff Eingliederungsvereinbarung ist ebenso absurd wie der Begriff Fiktionsbescheinigung, den deutsche Ausländerbehörden für Sachverhalte im Zusammenhang mit Aufenthaltstiteln ausstellen, über die noch nicht entschieden wurde. Sitzt da wohl tatsächlich irgendwo ein Beamter an einem Schreibtisch und ersinnt Titel für behördliche Dokumente? Oder wird der Job an Kommunikationsagenturen outgesourct?


postkoitale depression

November 17, 2008

Es ist die vorletzte Praktikumswoche. Zeit, nervös zu werden.

Ich könnte es so sehen: „man investiert in mich“. Man schickt mich auf Schulungen, bei denen ich hochspezielles Fachwissen anhäufe. Heute hier, morgen dort. Und am Wochenende noch woanders. Jetset auf Sparflamme.

Allerdings könnte ich es auch so sehen: „man nutzt meine für die Firma kostenneutralen Kapazitäten recht gut aus“. Ich stecke knietief im Thema, bin bombig eingearbeitet, blicke durch die Zusammenhänge, und all das zum Nulltarif.

Mir bleiben noch acht Tage. Dann muss was Neues kommen. Bloß was? Eine Stelle (voll, fest, unbefristet) gibt es jedenfalls erstmal nicht. Aber ich könnte ja freelancen. Ich könnte ja über eine Personalagentur… spruchreif ist noch gar nichts. Meine Nervosität wächst. Ich stehe morgens auf und gehe zur Arbeit. Ich versuche, gut zu sein, ha, brillant zu sein, schnell und effektiv zu sein, schlagfertig und pflegeleicht, anpassungsfähig und flexibel. Das gelingt mir nicht immer. Aber oft.

An mir sei ja wohl eine Vertrieblerin verlorgengegangen, bemerkte heute mein Kollege. Ich könne das ja ganz gut, so am Telefon. Was soll ich mit so einer Aussage anfangen? Heisst das jetzt etwas? Wohin mit der Anspannung, die mir in den Gliedern steckt? Die treibt mich tagsüber an. Aber abends komme ich schlecht runter und drauf. Ich bin unruhig. Manchmal zucken meine Augenlider so komisch, manchmal denke ich: na klar kriege ich einen Vertrag. Und dann scheint wieder alles an einem seidenen Faden zu hängen.

Wenn mein Arbeitstag mit seinen unwägbaren Aufs und Abs und überraschenden Spannungskurven den Koitus darstellt, kommt abends unweigerlich die Depression. Umgekehrt wärs irgendwie besser.


berlin: the world of …

November 8, 2008

rein oder raus?

November 6, 2008

… ich habe ziemlich genau noch drei Wochen Zeit, um aus meinen Praktikum einen Job zu machen.

Die Situation ist die: ich befinde mich im letzten Monat einer durch die Agentur und den Europäischen Sozialfond geförderten 12monatigen Weiterbildung. Konkret hieß das: acht Monate Unterricht in Berlins schrecklichster Gegend am S-Bahnhof Landsberger Allee. Dort reihen sich jenseits des Jobcenters Prenzlauer Berg ghettoartig und seelenlos häßliche Neubauten aneinander, in denen sich primär Weiterbildungseinrichtungen befinden.

Dort werden wöchentlich, monatlich, jährlich Horden von Arbeitssuchenden durchgeschleust. Mit oder gegen ihren Willen, mit oder gegen ihr Einverständnis. Aber eher gegen. Das hat zur Folge, dass die Gesichter, in die man so guckt, wenn man durch die häßlichen Gebäudereihen läuft, nicht grade vor Glückseeligkeit strahlen. Genau genommen sieht man vollkommene Perspektivlosigkeit. Abgetörnte uninspirierte blaße Menschen stehen vor den Häusern und rauchen noch schnell eine, bevor die Weiterbildungsmühle sie wieder schluckt.

Unterricht täglich von 8 bis 15 Uhr 15. Drei Pausen. Drei täglich zu leistende Unterschriften. Stundenzettel. Module. Vorlagen für Abwesenheitsbegründungen mit Stempelfeldern, Abmahnungsschreiben, Bürokratieterror. Acht lange Monate, von denen nicht jeder schlecht war. Ich glaube, ich war nicht an einem einzigen Tag pünktlich. Irgendwann wurde das Zuspätkommen zur Ehrensache. Und das Abmahnungsschreiben auch.

Meine Klasse setzte sich aus einem munter-heterogenen Grüppchen von Hartzies zusammen, die aus aller Herren sozialen Schichten kamen. Dreimal soviel Männer wie Frauen, Durchschnittsalter Mitte 40. Ich gehörte mit Anfang 30 jedenfalls zu den Jüngsten. Bis auf einige Ausnahmen waren sie mir (vor allem anfangs) nur mäßig symphatisch, meine unverhofften Mitstreiter/innen. Aber 12 Monate sind eine lange Zeit und geteiltes Leid ist halbes Leid. Man arrangiert sich. Irgendwann wurden wir tatsächlich so etwas wie ein Klassenverband.

Nach acht Monaten Unterricht gelangten wir im August in die „Praktikumsphase“: Ein Monat im „Ausland“ (Hochsommer in Wien: es war ganz wunderbar!) und drei Monate in Berlin. Und jetzt verbleiben nur noch drei Wochen. Nach einem beinahe ruinösen Fehltritt bei einem elitären deutschen Institut für angewandte Forschung im September bin ich nun seit knapp sechs Wochen im Praktikum bei einem Unternehmen in Berlin-Mitte, wo es mir sehr gut gefällt.

Gestern durfte ich das erste Mal „mit zum Kunden“: um 4 Uhr aufstehen, Stunden im Zug Richtung Westdeutschland, meeting um 9:30, Präsentation, Werksbesichtigung, Mittagessen, Absprachen, zurück zum Bahnhof und wieder nach Berlin. Phew. Aber es lief fantastisch. Der Kunde mochte mich sogar so gerne, dass er mich kurzerhand zu einer technischen inhouse-Schulung für nächste Woche eingeladen hat. Zwecks Kooperation. Nicht so schlecht.

Dieser Tag gab mir zudem die unerwartete Gelegenheit, einmal mit meiner Chefin Zeit zu verbringen, die sie nämlich sonst nie hat. Und dabei stellte sich heraus, dass es tatsächlich Anstellungsperspektiven im Hause gibt, man meine Arbeit sehr schätzt und denkt, ich würde gut ins Team passen. Sie sähe mich im Bereich Konzeption, Authoring und Projektmanagement. Oha.

So ganz traue ich dem Braten nicht. Aber Grund genug, ein positives Fazit zu meinem jüngst unbemerkt vorübergezogenen Bergfest zu ziehen. Am Ende des 8-Stunden-sind-kein-Tag-es steht also die Frage: kriege ich einen verdammten Job oder nicht?


ausbeutung?

Oktober 28, 2008

Heute erhielt ich eine Mail mit einer Ausschreibung für ein Praktikum bei der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit. Hier im Detail praktikantenstelle_sez_stuttgart.

Dann kam eine weitere Mail von diesem Verteiler:

Liebe Mitglieder, auf diese Anzeige muß ich jetzt einfach mal einen Kommentar abgeben. FAIR HANDELN steht da ganz oben auf dem Papier. Und dann: Vollzeitarbeit, 40-Stunden-Woche, mindestens 6-9 Monate – und dafür gibt’s ganze – 400 € monatlich!!! und man darf sich noch freuen, denn normalerweise gibt’s für ein Praktikum – gar nichts! So viel zum Thema FAIR HANDELN … sagt eine betrübte Weltladen-Mitarbeiterin.

Und noch eine Mail:

… da möchte ich mich doch gleich einklinken, da ich mich vor kurzem ueber ein aehnliches Angebot des BMZ-Programms „weltwaerts“ geaergert habe: anspruchsvoller Koordinationsjob, sehr hohe Qualifikationsanforderungen, 12 Monate Vollzeit und 60 € monatlich (s.u.)!!! Dass solch ein Angebot aufgrund des Arbeitsplatzmangels (gerade im EZ-Bereich) ueberhaupt moeglich ist ist schon ziemlich erschreckend … sagt ein betrübter Promovent und angehender EZ-Mitarbeiter (oder -Praktikant?).


arbeit nervt

Oktober 27, 2008

Heute ist Montag, und auch für mich hat die offizielle Arbeitswoche wieder begonnen. Wenn auch nur als Praktikantin, als letztes Glied in der Kette, als Auffangbecken für Mehrarbeiten und jegliche Art von Launen, als Dienstleisterin namens Allzeit-bereit, als Multitaskerin und flexibilisierte Prekariatin. Da kam mir heute nur ein Gedanke in Sinn: Arbeit nervt! Aber wie es ja manchmal so ist: Glück im Unglück! Eine Kollegin lieferte mir genau im richtigen Augenblick genau den richtigen Song vom ganz frischen Deichkind-Album ARBEIT NERVT. Ziemlich gut zum zwischenzeitlichen Abreagieren. Und Könnte glatt zum Ohrwurm werden…

Deichkind – „Arbeit Nervt“
Album: „Arbeit Nervt“ (2008)


Priester, Putzfrauen, Pizzabäcker, Proktologen
Wollen lieber popeln, pöpeln, prügeln, pogen
Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter
Sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter

Seelenklempner, Viehbefruchter, Astronauten
Würden gern im Weltraum schunkeln,
schwofen, saufen
Profikicker, Paparazzi, Taxifahrer
Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versagers

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeahYeahYeah……
Geht da mal lieber hin für mich!

Trucker, Butler, Schlachter, Schaffner, Politessen
Wollen gammeln feiern, flirten, fummeln, fressen
Fettabsauger, Spargelstecher, Professoren
Träumen auch von FKK in Rockstar-Posen

Kopfgeldjäger, Reiseleiter, Gleisarbeiter
Schreien, rüsselnd, rülpsend,
rotzen, rammeln, reiern
Orthopäden, Boygoupsänger Zeitsoldaten
Rohr verlegen, Kreuzworträtseln Feierabend

Frühaufstehen ist doch mehr was für dich

Arbeit nervt! Arbeit nervt!
Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….

Mein Konto gibt kein Cent mehr her
Er ist pleite, so scheiße pleite
Mein Kühlschrank ist komplett entleert
Er ist pleite, so richtig pleite
Doch das mach mir nichts aus
Er ist pleite, völlig pleite
Denn gleich läuft Sonja Kraus

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….
Arbeit nervt! Arbeit nervt! Arbeit nervt!