menschenwürde

Dezember 2, 2008

Das Institut für Menschenrechte hat eine Studie zum Thema MENSCHENWÜRDE veröffentlicht: „Menschenwürde. Der Grund der Menschenrechte“. Autor ist Heiner Bielefeldt, der Direktor der Instituts (welches übrigens derzeit Stellen ausschreibt).

Zum Thema WÜRDE zitiere ich aus dem Formular „Eingliederungsvereinbarung“ der Jobcenter, welches jeder ALG- II-Empfänger unterschreiben muss (in diesem Dokument werden Maßnahmen zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt fixiert):

Sie sind verpflichtet, Änderungen (z.B. Krankheit, Arbeitsaufnahme, Umzug) unverzüglich mitzuteilen und bei einer Ortsabwesenheit vorab die Zustimmung des persönlichen Ansprechpartners einzuholen. Bei einer unangemeldeten oder unerlaubten Ortsabwesenheit entfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld II, auch bei nachträglichem Bekanntwerden. Wird ein genehmigter auswärtiger Aufenthalt unerlaubt verlängert, besteht ab dem ersten Tag der unerlaubten Ortsabwesenheit kein Anspruch auf Leistungen mehr.

Der Begriff Eingliederungsvereinbarung ist ebenso absurd wie der Begriff Fiktionsbescheinigung, den deutsche Ausländerbehörden für Sachverhalte im Zusammenhang mit Aufenthaltstiteln ausstellen, über die noch nicht entschieden wurde. Sitzt da wohl tatsächlich irgendwo ein Beamter an einem Schreibtisch und ersinnt Titel für behördliche Dokumente? Oder wird der Job an Kommunikationsagenturen outgesourct?


arbeit nervt

Oktober 27, 2008

Heute ist Montag, und auch für mich hat die offizielle Arbeitswoche wieder begonnen. Wenn auch nur als Praktikantin, als letztes Glied in der Kette, als Auffangbecken für Mehrarbeiten und jegliche Art von Launen, als Dienstleisterin namens Allzeit-bereit, als Multitaskerin und flexibilisierte Prekariatin. Da kam mir heute nur ein Gedanke in Sinn: Arbeit nervt! Aber wie es ja manchmal so ist: Glück im Unglück! Eine Kollegin lieferte mir genau im richtigen Augenblick genau den richtigen Song vom ganz frischen Deichkind-Album ARBEIT NERVT. Ziemlich gut zum zwischenzeitlichen Abreagieren. Und Könnte glatt zum Ohrwurm werden…

Deichkind – „Arbeit Nervt“
Album: „Arbeit Nervt“ (2008)


Priester, Putzfrauen, Pizzabäcker, Proktologen
Wollen lieber popeln, pöpeln, prügeln, pogen
Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter
Sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter

Seelenklempner, Viehbefruchter, Astronauten
Würden gern im Weltraum schunkeln,
schwofen, saufen
Profikicker, Paparazzi, Taxifahrer
Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versagers

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeahYeahYeah……
Geht da mal lieber hin für mich!

Trucker, Butler, Schlachter, Schaffner, Politessen
Wollen gammeln feiern, flirten, fummeln, fressen
Fettabsauger, Spargelstecher, Professoren
Träumen auch von FKK in Rockstar-Posen

Kopfgeldjäger, Reiseleiter, Gleisarbeiter
Schreien, rüsselnd, rülpsend,
rotzen, rammeln, reiern
Orthopäden, Boygoupsänger Zeitsoldaten
Rohr verlegen, Kreuzworträtseln Feierabend

Frühaufstehen ist doch mehr was für dich

Arbeit nervt! Arbeit nervt!
Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….

Mein Konto gibt kein Cent mehr her
Er ist pleite, so scheiße pleite
Mein Kühlschrank ist komplett entleert
Er ist pleite, so richtig pleite
Doch das mach mir nichts aus
Er ist pleite, völlig pleite
Denn gleich läuft Sonja Kraus

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….
Arbeit nervt! Arbeit nervt! Arbeit nervt!


perspektiven abseits des mainstreams

Oktober 14, 2008

Das globalisierungskritische Filmfestival globale findet dieses Jahr vom 15. bis 21.Oktober 2008 statt. Der Hauptspielort ist dieses Jahr das Kino Moviemento in Kreuzberg/Neukölln.

Und wieder verspricht die globale eine Auseinandersetzung mit nicht ganz unwichtigen Themen im Kontext der Globalisierung. Und da wir hier ja zum Thema Prekariat bloggen, empfehle ich an dieser Stelle besonders den Schwerpunkt:

Arbeit, Prekarisierung, „social fabric“
Arbeit als Ausbeutung, Arbeitslosigkeit als Druckmittel – Filme und Diskussionen über den Umgang mit dem prekärer werdenden Leben. Positionen von Arbeitskämpfern, Aussteigern, und Fabrikbesetzern.

Das gesamte Programm: globale08_0


1-euro-jobber teil 1

September 25, 2008

Nun endlich mal wieder ein Bericht, der es versteht das Thema 1-Euro-Jobs in Kürze, aber mit Würze von Makro bis Mikro zu skizzieren. Auf jeden Fall ist das Thema nicht zu unterschätzen! Zudem ist dieser Beitrag mit Sicherheit eine Wohltat für diejenigen, die eher unangenehm berührt waren, als sie erst kürzlich den Sozialfandern auf Sat1 und der  BILD-Reportage  „so einfach ist es, den Staat abzuzocken“ begegneten. Wie kann’s auch anders sein: Öffentliche Hetzkampagne gegen Hartzis. Die „Schimäre“ läßt grüßen!

Als Entschädigung hier nun aber die 1-Euro-Jobber

von Streik.tv,

die Sendung zur Arbeit…


fall from grace?

Juli 23, 2008

Sehenswert: Anja Kretschmer porträtiert in ihrem Beitrag „Mir ging’s mal richtig gut – Aus der Bahn geworfen“ für das ZDF-Magazin 37 Grad das Leben von drei obdachlosen Männern in Berlin:

Meine Gesprächspartner waren in geordneten Verhältnissen aufgewachsen, hatten einst Erfolg in der Schule und im Studium. Niemand hatte damit gerechnet, einmal „auf der Straße zu landen“. Bei manchen hatte das Leben draußen deutliche Spuren hinterlassen. „Platte machen hält man ohne Alkohol nicht aus“, meinte einer. [...] Manche dagegen hätte ich auf den ersten Blick nie für obdachlos gehalten, so sehr achteten sie auf ihre äußere Erscheinung und gepflegte Kleidung. Sie schienen das Flaschen sammeln oder die Schlafplatzsuche ebenso methodisch und bedacht zu betreiben wie früher einmal ihre wissenschaftlichen und mathematischen Studien. Oft war es – ohne Terminkalender und Handy – kaum möglich, sich zu verabreden. Einmal bekam ich kurz vor unserer Verabredung einen Brief aus der Justizvollzugsanstalt. Da war mein potenzieller Protagonist wegen Schwarzfahrens verhaften worden und kannte seinen Entlassungstermin nicht. Frauen waren seltsamerweise kaum dabei. Und wenn, hatten sie noch mehr Angst, vor die Kamera zu gehen. „Es gibt noch etwas Schlimmeres als das Leben auf der Straße“, sagte mir eine, „und das ist die Gewalt zu Hause.“

Link zum Abrufvideo

Mit diesem Link sollte sich der Beitrag als Video-on-demand direkt mit einem vorhandenen Player öffnen. Wenn das nicht funktioniert, kann man den Beitrag über die oben verlinkte Website abrufen.


schuften – und doch kein geld

Juli 8, 2008

Heute um 22:15 Uhr ist im ZDF mit 37 Grad Schuften – und doch kein Geld zu sehen.

37 Grad zeigt den Alltag von drei Menschen im Niedriglohnbereich, wie sie trotz wenig Geld in der Tasche versuchen, ihre Würde und ihre positive Lebenseinstellung zu bewahren. Gezeigt wird der tägliche Kampf um Normalität und um einen Platz in der Gesellschaft und die Suche nach einem Job, der besser gezahlt wird.

> Der Beitrag ist als VIDEO ON DEMAND/ABRUFVIDEO über o.g. Link abrufbar!


stellmichein!

Juli 8, 2008

Die sehenswerte vierteilige Grimme-Preis ausgezeichnete Doku-Reihe Stellmichein! wird heute um 22:00 Uhr noch einmal auf dem ZDFdokukanal ausgestrahlt.

„Freiheit ist die Anerkennung von Regeln“ – das ist ein kluger Satz, den Hermanns Oma in einem Kalender gefunden hat. Und weil es von solchen Sprüchen viele gibt, wird die alte Frau auch nicht müde, ihrem Enkel immer wieder neue Zettelchen auf den Schreibtisch zu legen. Hermann reagiert genervt, Kalendersprüche bringen schließlich keine Jobs, und immer nur im Call-Center ein paar Euro verdienen will der studierte Geograph auch nicht. Er ist auf Jobsuche, seine Freundin Bukket auch. Aber wie findet man den Einstieg ins Berufsleben? Wie findet man eine neue Stelle, wenn man arbeitslos geworden ist wie der Kommunikationstrainer Volker oder die Sekretärin Heidrun, die nach 80 Bewerbungen genauso viele Absagen kassiert hat? Den Rest des Beitrags lesen »


best of hartz-IV-viewing: hartz IV test

Juni 26, 2008

Ein Hartz IV Test auf youtube: Wie weit geht ein Hartzi, um Arbeit zu finden? Oder: Welchen Stellenwert hat die eigene menschliche Würde für einen Hartzi? Vielleicht sollte das Jobcenter einfach mal ein paar Bildungsgutscheine im Hinblick auf die menschliche Würde verteilen. Ansonsten könnten Hartz IV und der konkurrenzharte Arbeitsmarkt fatale Folgen für bestimmte Menschen in diesem Land haben…


harz-IV-viewing

Juni 19, 2008

Bisher gibt’s kein Hartz-IV TV, weder im Fernsehen noch im Web. Aber wer Lust und Zeit hat (Arbeitslose haben ja in der Regel Zeit ;-) ) kann sich z.B. auf YouTube Hartz-IV-Viewing selber basteln. Und so geht’s: am besten Schlagworte wie hartz-IV, arbeitslos, arbeitsamt, agentur für arbeit in die Suchmaske eingeben, Beitrag auswählen, Bierchen aus dem Kühlschrank holen (um dem Arbeitslosen-Klischee zu entsprechen, indem viel Bier getrunken wird), entspannen und los gehts!

Es wird einem eine recht bunte Mischung an Beiträgen geboten: von Hartz-IV Songclips über Comedy bis hin zu kreativen Bild- und Wortcollagen und „seriösen“ Beiträgen wie z.B. von Panorama (liefert immer wieder Berichte zum Thema Hartz IV). Das Klischee von Harz-IV-Empfängern bzw. Arbeitslosen findet mit seinem absurden und grausamen Gesicht seinen vollen Ausdruck. Und Achtung! Wer sich vor Zynismus, Fäkalsprache und Aggressionen scheut, sollte lieber die Finger von Hartz-IV-Viewing lassen. Also auch nicht unbedingt immer jugendfrei.

Wer aber selbst von Hartz IV betroffen ist und vielleicht deswegen manchmal unter Verzweiflungsanfällen und Aggressionen leidet, findet mit Hartz IV-Viewing ein gutes Ventil für seine angestauten Gefühle. Lachen ist erlaubt! So können die eher zynischen Beiträge hilfreich sein, mit etwas Humor Abstand zur eigenen misslichen Lage zu finden. Und wer noch nicht über die Themen rund um Hartz-IV aufgeklärt ist, kann vor allem das Hartz-IV Klischee mit all seinen unterschiedlichen Facetten kennen lernen.

Hartz-IV-Viewing kann also unterhalten, bilden, trösten und stärken. Außerdem könnte es zu einem Kult avancieren, vor allem wenn sich Hartz-IV-Viewing noch mit Public Viewing paart.

Ein großes Dankeschön an die zahlreichen Produzenten, Autoren, Journalisten und Künstler, die ihre Beiträge zum Thema Hartz IV der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen!

Viel Spass beim Hartz-IV-Viewing!


zum staatlichen umgang mit hartz-IV-empfängern

Juni 6, 2008

Was und wieviel muss sich eigentlich ein Hartz-IV-Empfänger gefallen lassen? Nicht unbekannt sind die mitunter recht unlauteren Methoden der Arge und Jobcenter bei vielen Betroffenen. Nur leider berichten die gängigen Medien selten und wenig vom staatlichen Umgang mit Hartz-IV-Empfängern. Deswegen bleiben viele, die sich vor allem noch in Sicherheit von ausreichend bezahlter Arbeit wiegen, unwissend und ein eigentlich dringend notwendig öffentlich geführter Diskurs über die Vorgehensweise der Arge und Jobcenter bleibt aus.

Aber glücklicher Weise bestätigen Ausnahmen die Regel! Scheint es doch immer wieder einige unter den öffentlichen Meinungsmachern zu geben, die das Thema interessiert. So hat gestern z.B. das Erste mit seinem investigativen Magazin Panorama und seinem Bericht „Spitzelei oder notwendige Kontrolle? Staat observiert Hartz-IV-Empfänger“ einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Staat und Harz-IV-Empfänger geleistet. Es treten Philosophie und Methoden der Arge und Jobcenter zu Tage, die an die der Stasi erinnern. Zudem berichten Betroffene von ihren beängstigenden Erfahrungen mit der Staatsgewalt:

Arbeitslos-fast Vogelfrei!