petitio = angriff

Februar 7, 2009

Ich möchte auf drei interessante Petitionen hinweisen. Die zum bedingungslosen Grundeinkommen ist schon sehr intensiv per Email verbreitet worden. Sie hat von allen aktuellen ePetitionen die meisten Mitzeichner/innen. Die Mitzeichnungsfrist für diese Petition endet am 10.2.09.  Wer noch mitzeichnen möchte, muss sich vorher registrieren.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen… das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen.

Begründung

Unser Finanz- und Steuersystem ist sehr unübersichtlich geworden. Auch die Arbeitslosenquote scheint eine feste Größe geworden sein. Um nun allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten, erscheint mir die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als guter Lösungsweg. Ca. 1500€ für jeden Erwachsenen und 1000€ für jedes Kind. Alle bestehenden Transferleistungen, Subventionen und Steuern einstellen und als einzige(!) Steuer eine hohe Konsumsteuer einführen. Eine deutliche Vereinfachung unseres komplizierten Finanzsystems erscheint mir zwingend erforderlich. Auch ginge mit dieser Veränderung ein deutlicher Bürokratieabbau, und damit eine Verwaltungskostenreduzierung, einher.

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menschenwürde

Dezember 2, 2008

Das Institut für Menschenrechte hat eine Studie zum Thema MENSCHENWÜRDE veröffentlicht: „Menschenwürde. Der Grund der Menschenrechte“. Autor ist Heiner Bielefeldt, der Direktor der Instituts (welches übrigens derzeit Stellen ausschreibt).

Zum Thema WÜRDE zitiere ich aus dem Formular „Eingliederungsvereinbarung“ der Jobcenter, welches jeder ALG- II-Empfänger unterschreiben muss (in diesem Dokument werden Maßnahmen zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt fixiert):

Sie sind verpflichtet, Änderungen (z.B. Krankheit, Arbeitsaufnahme, Umzug) unverzüglich mitzuteilen und bei einer Ortsabwesenheit vorab die Zustimmung des persönlichen Ansprechpartners einzuholen. Bei einer unangemeldeten oder unerlaubten Ortsabwesenheit entfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld II, auch bei nachträglichem Bekanntwerden. Wird ein genehmigter auswärtiger Aufenthalt unerlaubt verlängert, besteht ab dem ersten Tag der unerlaubten Ortsabwesenheit kein Anspruch auf Leistungen mehr.

Der Begriff Eingliederungsvereinbarung ist ebenso absurd wie der Begriff Fiktionsbescheinigung, den deutsche Ausländerbehörden für Sachverhalte im Zusammenhang mit Aufenthaltstiteln ausstellen, über die noch nicht entschieden wurde. Sitzt da wohl tatsächlich irgendwo ein Beamter an einem Schreibtisch und ersinnt Titel für behördliche Dokumente? Oder wird der Job an Kommunikationsagenturen outgesourct?


postkoitale depression

November 17, 2008

Es ist die vorletzte Praktikumswoche. Zeit, nervös zu werden.

Ich könnte es so sehen: „man investiert in mich“. Man schickt mich auf Schulungen, bei denen ich hochspezielles Fachwissen anhäufe. Heute hier, morgen dort. Und am Wochenende noch woanders. Jetset auf Sparflamme.

Allerdings könnte ich es auch so sehen: „man nutzt meine für die Firma kostenneutralen Kapazitäten recht gut aus“. Ich stecke knietief im Thema, bin bombig eingearbeitet, blicke durch die Zusammenhänge, und all das zum Nulltarif.

Mir bleiben noch acht Tage. Dann muss was Neues kommen. Bloß was? Eine Stelle (voll, fest, unbefristet) gibt es jedenfalls erstmal nicht. Aber ich könnte ja freelancen. Ich könnte ja über eine Personalagentur… spruchreif ist noch gar nichts. Meine Nervosität wächst. Ich stehe morgens auf und gehe zur Arbeit. Ich versuche, gut zu sein, ha, brillant zu sein, schnell und effektiv zu sein, schlagfertig und pflegeleicht, anpassungsfähig und flexibel. Das gelingt mir nicht immer. Aber oft.

An mir sei ja wohl eine Vertrieblerin verlorgengegangen, bemerkte heute mein Kollege. Ich könne das ja ganz gut, so am Telefon. Was soll ich mit so einer Aussage anfangen? Heisst das jetzt etwas? Wohin mit der Anspannung, die mir in den Gliedern steckt? Die treibt mich tagsüber an. Aber abends komme ich schlecht runter und drauf. Ich bin unruhig. Manchmal zucken meine Augenlider so komisch, manchmal denke ich: na klar kriege ich einen Vertrag. Und dann scheint wieder alles an einem seidenen Faden zu hängen.

Wenn mein Arbeitstag mit seinen unwägbaren Aufs und Abs und überraschenden Spannungskurven den Koitus darstellt, kommt abends unweigerlich die Depression. Umgekehrt wärs irgendwie besser.


berlin: the world of …

November 8, 2008

rein oder raus?

November 6, 2008

… ich habe ziemlich genau noch drei Wochen Zeit, um aus meinen Praktikum einen Job zu machen.

Die Situation ist die: ich befinde mich im letzten Monat einer durch die Agentur und den Europäischen Sozialfond geförderten 12monatigen Weiterbildung. Konkret hieß das: acht Monate Unterricht in Berlins schrecklichster Gegend am S-Bahnhof Landsberger Allee. Dort reihen sich jenseits des Jobcenters Prenzlauer Berg ghettoartig und seelenlos häßliche Neubauten aneinander, in denen sich primär Weiterbildungseinrichtungen befinden.

Dort werden wöchentlich, monatlich, jährlich Horden von Arbeitssuchenden durchgeschleust. Mit oder gegen ihren Willen, mit oder gegen ihr Einverständnis. Aber eher gegen. Das hat zur Folge, dass die Gesichter, in die man so guckt, wenn man durch die häßlichen Gebäudereihen läuft, nicht grade vor Glückseeligkeit strahlen. Genau genommen sieht man vollkommene Perspektivlosigkeit. Abgetörnte uninspirierte blaße Menschen stehen vor den Häusern und rauchen noch schnell eine, bevor die Weiterbildungsmühle sie wieder schluckt.

Unterricht täglich von 8 bis 15 Uhr 15. Drei Pausen. Drei täglich zu leistende Unterschriften. Stundenzettel. Module. Vorlagen für Abwesenheitsbegründungen mit Stempelfeldern, Abmahnungsschreiben, Bürokratieterror. Acht lange Monate, von denen nicht jeder schlecht war. Ich glaube, ich war nicht an einem einzigen Tag pünktlich. Irgendwann wurde das Zuspätkommen zur Ehrensache. Und das Abmahnungsschreiben auch.

Meine Klasse setzte sich aus einem munter-heterogenen Grüppchen von Hartzies zusammen, die aus aller Herren sozialen Schichten kamen. Dreimal soviel Männer wie Frauen, Durchschnittsalter Mitte 40. Ich gehörte mit Anfang 30 jedenfalls zu den Jüngsten. Bis auf einige Ausnahmen waren sie mir (vor allem anfangs) nur mäßig symphatisch, meine unverhofften Mitstreiter/innen. Aber 12 Monate sind eine lange Zeit und geteiltes Leid ist halbes Leid. Man arrangiert sich. Irgendwann wurden wir tatsächlich so etwas wie ein Klassenverband.

Nach acht Monaten Unterricht gelangten wir im August in die „Praktikumsphase“: Ein Monat im „Ausland“ (Hochsommer in Wien: es war ganz wunderbar!) und drei Monate in Berlin. Und jetzt verbleiben nur noch drei Wochen. Nach einem beinahe ruinösen Fehltritt bei einem elitären deutschen Institut für angewandte Forschung im September bin ich nun seit knapp sechs Wochen im Praktikum bei einem Unternehmen in Berlin-Mitte, wo es mir sehr gut gefällt.

Gestern durfte ich das erste Mal „mit zum Kunden“: um 4 Uhr aufstehen, Stunden im Zug Richtung Westdeutschland, meeting um 9:30, Präsentation, Werksbesichtigung, Mittagessen, Absprachen, zurück zum Bahnhof und wieder nach Berlin. Phew. Aber es lief fantastisch. Der Kunde mochte mich sogar so gerne, dass er mich kurzerhand zu einer technischen inhouse-Schulung für nächste Woche eingeladen hat. Zwecks Kooperation. Nicht so schlecht.

Dieser Tag gab mir zudem die unerwartete Gelegenheit, einmal mit meiner Chefin Zeit zu verbringen, die sie nämlich sonst nie hat. Und dabei stellte sich heraus, dass es tatsächlich Anstellungsperspektiven im Hause gibt, man meine Arbeit sehr schätzt und denkt, ich würde gut ins Team passen. Sie sähe mich im Bereich Konzeption, Authoring und Projektmanagement. Oha.

So ganz traue ich dem Braten nicht. Aber Grund genug, ein positives Fazit zu meinem jüngst unbemerkt vorübergezogenen Bergfest zu ziehen. Am Ende des 8-Stunden-sind-kein-Tag-es steht also die Frage: kriege ich einen verdammten Job oder nicht?


ausbeutung?

Oktober 28, 2008

Heute erhielt ich eine Mail mit einer Ausschreibung für ein Praktikum bei der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit. Hier im Detail praktikantenstelle_sez_stuttgart.

Dann kam eine weitere Mail von diesem Verteiler:

Liebe Mitglieder, auf diese Anzeige muß ich jetzt einfach mal einen Kommentar abgeben. FAIR HANDELN steht da ganz oben auf dem Papier. Und dann: Vollzeitarbeit, 40-Stunden-Woche, mindestens 6-9 Monate – und dafür gibt’s ganze – 400 € monatlich!!! und man darf sich noch freuen, denn normalerweise gibt’s für ein Praktikum – gar nichts! So viel zum Thema FAIR HANDELN … sagt eine betrübte Weltladen-Mitarbeiterin.

Und noch eine Mail:

… da möchte ich mich doch gleich einklinken, da ich mich vor kurzem ueber ein aehnliches Angebot des BMZ-Programms „weltwaerts“ geaergert habe: anspruchsvoller Koordinationsjob, sehr hohe Qualifikationsanforderungen, 12 Monate Vollzeit und 60 € monatlich (s.u.)!!! Dass solch ein Angebot aufgrund des Arbeitsplatzmangels (gerade im EZ-Bereich) ueberhaupt moeglich ist ist schon ziemlich erschreckend … sagt ein betrübter Promovent und angehender EZ-Mitarbeiter (oder -Praktikant?).


arbeit nervt

Oktober 27, 2008

Heute ist Montag, und auch für mich hat die offizielle Arbeitswoche wieder begonnen. Wenn auch nur als Praktikantin, als letztes Glied in der Kette, als Auffangbecken für Mehrarbeiten und jegliche Art von Launen, als Dienstleisterin namens Allzeit-bereit, als Multitaskerin und flexibilisierte Prekariatin. Da kam mir heute nur ein Gedanke in Sinn: Arbeit nervt! Aber wie es ja manchmal so ist: Glück im Unglück! Eine Kollegin lieferte mir genau im richtigen Augenblick genau den richtigen Song vom ganz frischen Deichkind-Album ARBEIT NERVT. Ziemlich gut zum zwischenzeitlichen Abreagieren. Und Könnte glatt zum Ohrwurm werden…

Deichkind – „Arbeit Nervt“
Album: „Arbeit Nervt“ (2008)


Priester, Putzfrauen, Pizzabäcker, Proktologen
Wollen lieber popeln, pöpeln, prügeln, pogen
Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter
Sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter

Seelenklempner, Viehbefruchter, Astronauten
Würden gern im Weltraum schunkeln,
schwofen, saufen
Profikicker, Paparazzi, Taxifahrer
Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versagers

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeahYeahYeah……
Geht da mal lieber hin für mich!

Trucker, Butler, Schlachter, Schaffner, Politessen
Wollen gammeln feiern, flirten, fummeln, fressen
Fettabsauger, Spargelstecher, Professoren
Träumen auch von FKK in Rockstar-Posen

Kopfgeldjäger, Reiseleiter, Gleisarbeiter
Schreien, rüsselnd, rülpsend,
rotzen, rammeln, reiern
Orthopäden, Boygoupsänger Zeitsoldaten
Rohr verlegen, Kreuzworträtseln Feierabend

Frühaufstehen ist doch mehr was für dich

Arbeit nervt! Arbeit nervt!
Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….

Mein Konto gibt kein Cent mehr her
Er ist pleite, so scheiße pleite
Mein Kühlschrank ist komplett entleert
Er ist pleite, so richtig pleite
Doch das mach mir nichts aus
Er ist pleite, völlig pleite
Denn gleich läuft Sonja Kraus

Arbeit nervt YeahYeahYeahYeah….
Arbeit nervt! Arbeit nervt! Arbeit nervt!


[linz] symposium freiheit & prekariat

Oktober 26, 2008

Für Frauen: Ende November findet in Linz ein Vernetzungstag mit anschließendem Symposium zum Thema Freiheit & Prekarität statt. Anmeldung bis 17. November – und in begrenztem Umfang stehen sogar Reisekostenzuschüsse für die Anfahrt zur Verfügung.

Vernetzungstreffen & Symposium, 21.-22. Nov. 2008 in Linz

Die Prekarisierung von Arbeit und Leben nimmt zu. Materielle Verarmung, Vereinzelung und Spaltung der Gesellschaft sind (absehbare) Folgen dieser Entwicklung und machen eine Vernetzung von Initiativen und Handlungsansätzen notwendig. Die zweitägige Veranstaltung Freiheit und Prekarität will Forum sein und Raum bieten für Reflexionen und Strategien zwischen Ökonomie, Gesellschaftspolitik und Philosophie, für Diskussionen, für Ergebnis und Nachhaltigkeit, für Praxis und Erfahrung. Ziel ist ein wissenschaftlicher, künstlerischer, kultureller, zivilgesellschaftlicher, politischer und in jedem Fall feministischer Austausch zwischen AkteurInnen, Berufsgruppen und Regionen, um auf dieser Basis handlungsorientierte Konsequenzen ziehen zu können.

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let’s make money

Oktober 25, 2008

Genau passend zur aktuellen Finanzkrise läuft Erwin Wagenhofers neuer Dokumentarfilm let’s make money am 31. Oktober in den deutschen Kinos an. Und wieder konfrontiert Wagenhofer das Kinopublikum mit einem globalsierungskritischen Werk (sein letzter Film: we feed the world). Let’s make money ist ein Film, der dem globalen Fluss des Geldes folgt und somit auch das internationale Bankengeschäft erklärt. Ein Film für VWL-Interessierte und Kritiker des global bestehenden Finanzsystems (mitunter auch bekannt als Raubtierkapitalismus und die Vertreter als Heuschrecken). Ist es doch gerade kollabiert, und die Kluft zwischen Arm und Reich wird noch größer.  Wie hängen all diese Dinge zusammen? Mit Sicherheit ein aufschlussreicher und sehenswerter Film- ich bin jedenfalls schon ganz gespannt.


schimäre empfiehlt

Oktober 19, 2008

Und denjenigen, die sich nicht nur ablenken wollen, sondern die sich eine richtig kleine Auszeit wünschen, empfehlen wir die wunderschöne Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Erst kürzlich verbrachten wir, die Betreiberinnen dieses Blogs, ein paar Tage am Meer. Zwar viel zu kurz, aber es hat sich definitiv gelohnt! Auch im Herbst ist die Küste alles andere als langweilig. Gerade Naturfreaks werden nicht zu kurz kommen. Denn schöne piktureske Landschaften wollen gesehen werden (auch bei vielleicht nicht so gutem Wetter). Wer also Zeit und ein klein wenig Geld übrig hat, sollte sich für ein paar Tage eine Auszeit gönnen und einfach ans Meer fahren. Ein paar wetterfeste Klamotten packen und sich dann mit der Bahn auf den Weg machen. Mit dem DB-Ostsee-Ticket ist das Meer bestens zu erreichen. Der Kostenfaktor für die Hin- und Rückfahrt beträgt 39 Euro und ist somit fast unschlagbar. Zudem sind relativ günstige Unterkünfte auf den Homepages der jeweiligen Kurverwaltungen zu finden. Wenn ich jetzt Zeit hätte, würde ich prompt wieder im Zug Richtung Meer sitzen.