ra-ri-rezeptgebühren

Ein neuer Tag, ein neuer Eintrag im 347-Euro-Tagebuch (Sinn und Zweck des Ganzen wird im letzten fettgedruckten Abschnitt des Eintrags „sind wir arm?“ vom 3. juni 2008 erläutert):

ich dachte heute gegen Mittag, es könnte ein Tag ohne Ausgaben werden. Aber: zu früh frohlockt. Da war doch noch ein Medikament, das abgeholt werden wollte. Ich reiche das Rezept souverän über die Apo-Theke. Ich wähne mich sicher in dem Gedanken, für dieses Präparat (Standardmedizin für eine langweilige chronische Krankheit) von der Rezeptgebühr, also ich meine natürlich Zuzahlungspflicht oder heißt das jetzt noch ganz anders?, entbunden zu sein. Schon will ich routinemäßig die leidige Pillenpackung entgegennehmen, als mich die Apo-Dame ebenso routinemäßig um fünf Euro bittet. Im Folgenden teilen wir uns unsere gegensätzlichen Auffassungen der Zahlungsmodalitäten mit und kommen auf keinen grünen Zweig. Ich storniere und rufe meine Krankenkasse an.

Dort erfahre ich, dass vielerlei Medikamente bzw. die in ihnen enthaltenen Wirkstoffe großen bis sehr großen Preisschwankungen unterliegen, die teilweise wöchentlich (!) zwischen Krankenkassen und Pharmakonzerten neu ausgehandelt werden (am Zahn der Zeit sein: da entstehen Stellen! Pharmo-Negotiator!) Schießt ein Medikament über eine bestimmte monetäre Linie, wird der Verbraucher zur Kasse gebeten. Der isst das Produkt ja schließlich. Soll er auch zahlen. Mit fünf Euro, so wird mir nachdrücklich versichert, habe ich noch Glück, da gäbe es ganz andere Fälle. Die Sachbearbeiterin schildert mir einen Fall.

Eine junge Frau ist auf kostenintensive Medikamente angewiesen, deren Inhaltsstoffe eben jenen Preisschwankungen unterliegen. Es schwankt und schwankt, derzeit zu Ungunsten der Patientin. So sah sich die junge Frau, ihrerseits ebenfalls Hartz-IV-lerin, mit dem Umstand konfrontiert, zu ihren Pillchen plötzlich 40 (!) Euro pro Woche aus eigener Tasche hinzuschussen zu müssen. Allein: wie soll das gehen, mit ALG II? Das wusste die Sachbearbeiterin auch nicht. Und ich auch nicht. Ob man da wohl einen Sonderantrag bei der Leistungsstelle der Agentur einreichen kann? Ich will es hoffen und drücke der jungen Frau die Daumen.

—————————————————————

Guthaben von gestern: 242 EUR

seitdem ausgegeben:

Rezeptgebühr äh Zuzahlungszuschuss: 5 EUR
-Kopier- und Papierzeug für eine Bewerbung: 4,19 EUR

Es verbleiben am Do, den 5. Juni 2008: 232,81 EUR

—————————————————————

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s