denunziation ?

Das immer lesenswerte SZ-Magazin hat in seiner zwiespältigen Rubrik „Die Gewissensfrage“ diese Woche einen merkwürdigen Fall an der Angel: Ein Herr H. aus H. fragt den Moralexperten:

»Vergangene Woche stieg ich in Freiburg in den Zug nach Hamburg und setzte mich neben einen freundlich aussehenden Herrn. Kurz hinter Mannheim fragte der Kontrolleur nach den Fahrkarten. Mein Nachbar, der mindestens seit Basel im Zug sein musste, wollte nachlösen und sagte: ›Von Mannheim nach Frankfurt, bitte.‹ Wie hätte ich mich angesichts dieses Betrugs Ihrer Ansicht nach verhalten sollen? Mich einmischen und den Schaffner informieren? Den Herrn im Anschluss zur Rede stellen? Oder ohne ein Wort auf den nächsten freien Platz verschwinden?«

Ich frage mich, wie man auf eine solche Frage kommt. Mir persönlich wäre es „sowas von!“ egal, was mein Sitznachbar mit dem Bahnpersonal bespricht. Der vom Moralexperten als „Betrug“ und „Straftat“ titulierte Vorfall ist in meinen Augen eine kreative Annäherung an die astronomischen Preise eines sich nicht grade durch hervorragenden Service auszeichnenden Personenbeförderungs- dienstleisters. Niemand wurde dabei persönlich beschädigt. Ob es der Bahn überhaupt weh tut, ist zu bezweifeln. Warum also sollte Herr H. aus H. sich erstens) einmischen, zweitens) von der Situation betroffen fühlen, und drittens) in einer solch unlösbaren moralischen Problematik verhaftet sehen, dass der SZ-Moralexperte konsultiert werden muss…?

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