is‘ ja noch beta…

… die gute schimäre, dachten wir bisher – und haben nicht formuliert, wer wir sind, wo wir stehen und was wir mit diesem weblog wollen. gestern kam unverhofft harsche kritik aus dem freundeskreis: wir seien positionslos, abstrakt, weinerlich und schrieben aus der opferrolle heraus. unsere posts seien weder kontextualisiert noch personalisiert. man könne sich bei uns nicht amüsieren und schon gar nicht irgendwo andocken.

phew.

nun: da ist wohl teilweise was wahres dran. „prekariatsblogging“ ist dann interessant oder gar relevant, wenn wir erläutern, in welchen lebensumständen wir uns befinden und was an unserer situation prekär ist. wenn wir exemplarisch als (für?) „das prekariat“ oder „die generation praktikum“ schreiben wollen, müssen wir z.b. skizzieren, an welchen stellen die probleme mit jobsuche, jobcenter und jobfrust nicht (mehr nur) persönlich sind, sondern strukturell. und warum wir uns nicht selbst auf die jobs bewerben, die wir hier be-werben.

so.

jetzt müssen wir ran und texten. das kann einige tage dauern. bis dahin liegt schimäre brach. Zwischenzeitlich empfehlen wir: Madame Modeste und Franziska Bluhn und Meike Richter und Die Kaltmamsell und Barbara Ondrisek.

so long…………………………………………….eure schimäre

5 Kommentare zu „is‘ ja noch beta…

  1. Hey! Ich finde euren Blog abslut spannend – wer unterhalten werden will, soll doch woandes hergehen, hier wird für mich ein Solidaritätsgefühl geschaffen! Und Hartz-IV-Ticker finde ich aus tausendmal besser und RELEVANTER als küchen- oder kinderklatsch. Auch die Jobposts sind ein Superservice und gehören für den Fokus des Blogs, der für mich absolut existiert und eben im Bericht aus dem intellektuellen Prekariat besteht, unbedingt dazu. Bitte weiter bloggen! This is relevant to my interests!

    Und was den einen weinerlich vorkommen mag (wtf?!?!?) ist für mich furchtbar entspannend zu lesen – darüber lesen dürfen, was für kehrseiten es im schicken leistungskapitalismus auchgibt. herrlich, von absagen zu lesen – das sind doch die sachen, die man sonst immer vor sich und den anderen versteckt, weil man ja keine schwäche zugeben darf.

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  2. dankeschön zunächst. und: wir haben nicht vor, küchen- oder kinderklatsch zu posten, mais non. es geht um ein paar parameter, wie z.b. wer sind wir, was machen wir grade, was haben wir studiert, wovon leben wir, warum prekär usw. usf. – die jobposts behalten wir natürlich bei, aber interessanter, als sie „nur“ zu posten oder zu verlinken, ist doch die frage: warum ist das nicht MEIN job? – – – findest du nicht?

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  3. Nein, euer Block ist schon was besonderes. Könnt Euch auf das Brecht Zitat beziehen, Ihr kennt Euch ja da aus …

    Ansonsten wäre ja noch ein Vorschlag vielleicht eine Art Sozialtourismus für gestresste Vollzeitarbeitnehmer einzuführen, natürlich gegen gute Bezahlung.

    Wochenweiser Entzug der Kreditkarte und Barmitteln. Schenkungen sind anzugeben und werden vom Minimum abgezogen. Konsumminimierung, schikanöse Behandlungen und zynische Bemerkungen über den Status als „Kunde“. Unregelmäßige Kontrollbesuche zur Überprüfung des Unwohlseins wären da auch enthalten. Ungesunde Ernährung gehört zum Basispaket.

    Das wäre sicher prickelnd, erfrischend und inspiriert zu wohlfeilen Formulierungen über den hautnah erlebten Abenteuerurlaub in der Hauptstadt.

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  4. nee, katasun: wir wollen hier ja nicht neid oder eifersucht auf mitbürger_innen mit jobs zur schau stellen oder armutsromanzen erzählen. mittelfristig würde ich gerne ein weblog mit texten aufbauen, bei denen sich der ein oder andere vielleicht (wieder)erkannt oder angesprochen oder „abgeholt“ fühlt, weil er/sie ähnliches erlebt (hat). auf standardmäßigen zynismus habe ich keine lust. meine ursprüngliche idee hinter SCHIMÄRE war: draußen tobt die dunkelziffer der arbeitslosen und sich-in-maßnahmen-befindlichen und der praktikanten und der minijobber und der von-projekt-zu-projekt-hangler und der von-der-hand-in-den-mund-lebenden. da wollte ich als eine exemplarische stimme berichten. und das werde ich auch. bis bald also!

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