schimären unserer zeit: mediaspree

Ermunterungsposting: Regionalpolitik! Es wird ernst: Am kommenden Sonntag ruft das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf zum Bürgerentscheid zur Bebauung des sogenannten „Mediapspree“- Gebietes. Wem etwas an seinem Kiez liegt, sollte unbedingt die richtigen Kreuze machen, sonst siehts bald überall so aus wie um die O2-Arena herum: Beton, Stahl & Glas. Als MEDIASPREE wird das Stück von der Elsen- bis zur Jannowitzbrücke bezeichnet, also allerschönste zentrale bunte Kiezlandschaft. Die Abstimmung findet am Sonntag in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr statt. Zum Versenken muss folgendermaßen gekreuzt werden: a) JA – b) NEIN – c) A

Infomaterial gibt es hier:

www.ms-versenken.org

www.mediaspree.de

www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/verwaltung/org/wahlamt/be_spree.html

. . . B Y E – B Y E – M E D I A S P R E E . . .

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call for projects 2008/ 2009: streik academy

Das thealit-Netzwerk aus Bremen ruft zur Einreichung von entsprechenden Konzepten für die Streik Academy auf. Einsendeschluss: 15.10.2008.

STREIK ACADEMY

Streik ist das Anhalten von Unaushaltbarem. Er kann zur Durchsetzung von Verbesserungen dienen, auf Alternativen verweisen oder als symbolische Aktion für Öffentlichkeit sorgen. Er ist auf kollektive Organisation angewiesen oder zumindest auf Publizität, wenn man ‚alleine streikt‘. Er kann Teil einer organisierten Strategie als mächtige Drohgebärde sein oder unabhängig von Institutionen durch Selbstermächtigung „wild“ entstehen. Er mag für „drei Prozent mehr“ systemstabilisierend sein oder durch die Verweigerung, die sich auch der Formulierung von Alternativen verweigert, das System in Frage stellen.

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schimären unserer zeit: tour de france

Ich war mal … einst – ewig her scheint’s … Tour de France Fan. Ich habe meine Julis gerne vor dem Bildschirm verbracht. Doch wozu noch? Alles scheint entzaubert. Doping-Sumpf, Schmiergeldaffairen, Unschuldsbeteuerungen usw. usf. LETOUR rollt trotzdem. Es wird allerorts analysiert, kommentiert und gechasst. LETOUR rollt trotzdem. (Erhellend ist das SZ-Interview „Man vergibt mir nicht“ mit Jörg Jaksche.) Warum die Tour keinen Spass mehr macht, bringt Peter Sloterdijk im Spiegel-Interview auf den Punkt – und zieht dafür Roland Barthes heran. Hier die relevante Passage:

Sloterdijk: … Das Geistreichste, was je über die Tour geschrieben wurde, stammt von dem frühen Roland Barthes, der nicht zufällig eine regelrechte Theologie des Radsports entwickelt. In seinem Essay über das Epos namens Tour de France findet man einen Passus, worin er den Mont Ventoux wie einen Gott des Bösen beschreibt, der Opfer fordert. Barthes setzt die Helden des Radsports mit den Kriegern Homers in der Ilias gleich. Für ihn wiederholt sich das Urduell zwischen Hektor und Achilles unter den Fahrern am Berg. In der Ebene kämpfen kann schließlich jeder, aber wer am schlimmsten Berg bis zuletzt zweikampffähig bleibt, ist schon darum Hektor oder Achilles.

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neue arbeit

Was ist neue Arbeit? Diese Frage lohnt sich vor allem zu stellen, wenn Frau/Mann nach mehr oder weniger verzweifelten Versuchen nicht den erfolgreichen (Wieder-) Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt findet, oder wenn Frau/Mann einfach keine Lust mehr hat, im Hamsterrad zu laufen. Dann steht die Auseinandersetzung mit Alternativen bzw. neuen Konzepten von Arbeit an. Anregungen zum Nachdenken und mögliche Antworten auf die Frage was ist neue Arbeit ? gibt der e.V. Neue Arbeit- Neue Kultur :

Neue Arbeit bedeutet vieles:

  • Weniger Abhängigkeit von bezahlter Arbeit
  • Mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben
  • Weniger Ballast, mehr Lebensqualität
  • Ein elegantes, gesundes und vitales Leben – nicht nur für Eliten, sondern für alle

Möglich wird all dies durch neue, intelligente Technologien und ein ebenso neues Bild von Arbeit. Bis vor 200 Jahren produzierten die Menschen für den eigene Bedarf oder für kleine Gemeinschaften, wie zum Beispiel das eigene Dorf. Mit der Industrialisierung wurde das heutige Job-System geschaffen. Man arbeitet für einen Arbeitgeber, und erst mit diesem Lohn kann man die Dinge kaufen, die man zum Leben braucht. Jetzt, da das Ende des Industriezeitalters sichtbar wird, ist es Zeit um Arbeit grundlegend neu zu begreifen. Die Massenproduktion stirbt aus, die kleine, intelligente und flexible Fertigung löst sie ab. Hier liegt unsere Chance, uns dem zuzuwenden, was wir wirklich, wirklich wollen.

denunziation ?

Das immer lesenswerte SZ-Magazin hat in seiner zwiespältigen Rubrik „Die Gewissensfrage“ diese Woche einen merkwürdigen Fall an der Angel: Ein Herr H. aus H. fragt den Moralexperten:

»Vergangene Woche stieg ich in Freiburg in den Zug nach Hamburg und setzte mich neben einen freundlich aussehenden Herrn. Kurz hinter Mannheim fragte der Kontrolleur nach den Fahrkarten. Mein Nachbar, der mindestens seit Basel im Zug sein musste, wollte nachlösen und sagte: ›Von Mannheim nach Frankfurt, bitte.‹ Wie hätte ich mich angesichts dieses Betrugs Ihrer Ansicht nach verhalten sollen? Mich einmischen und den Schaffner informieren? Den Herrn im Anschluss zur Rede stellen? Oder ohne ein Wort auf den nächsten freien Platz verschwinden?«

Ich frage mich, wie man auf eine solche Frage kommt. Mir persönlich wäre es „sowas von!“ egal, was mein Sitznachbar mit dem Bahnpersonal bespricht. Der vom Moralexperten als „Betrug“ und „Straftat“ titulierte Vorfall ist in meinen Augen eine kreative Annäherung an die astronomischen Preise eines sich nicht grade durch hervorragenden Service auszeichnenden Personenbeförderungs- dienstleisters. Niemand wurde dabei persönlich beschädigt. Ob es der Bahn überhaupt weh tut, ist zu bezweifeln. Warum also sollte Herr H. aus H. sich erstens) einmischen, zweitens) von der Situation betroffen fühlen, und drittens) in einer solch unlösbaren moralischen Problematik verhaftet sehen, dass der SZ-Moralexperte konsultiert werden muss…?

einladung zum vorstellungsgespräch für ein praktikum

Hier mal ein eher seltenes Feedback auf eine Praktikumsbewerbung im Medienbereich:

Liebe Frau Hartz,

danke für Ihre sehr schöne wie interessante Bewerbung und gerne halt ich einen Kennenlerngespräch für sinnvoll. Ihr Alter sowie Ihr Wunsch nach einem Praktikum in einem für Sie teilweise neuen Arbeitsbereich halte ich weder für ein Hindernis noch für verwunderlich, zudem in Deutschland es eine ganze Generation Praktikum zu geben scheint (dies meine Beobachtung als Österreicher) wie ich auch persönlich keinerlei vorgefestigte Vorstellungen über ein normiertes Leben mit normierten Lebensabschnitten habe.

Allgemein möchte ich ausführen, dass die Kommunikationsbranche einem Wunschbild des beamteten rsp. konzernbeschäftigten Mittelstandes – und heute nur noch als privilegierte Realität besteht und hervorragend durch die Gewerkschaften vertreten werden – nicht entspricht und jeglichem Anspruchsdenken diametral gegenübersteht-

Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie Ihre Bewerbung und Ihre Motivation wie Vision zu befragen; sollten Sie nach wie vor den Wunsch haben bei den XXX Medien zu wirken, dann freue ich mich, wenn Sie im Laufe des morgigen Montags zwischen 10.00 und 12.00 Uhr erscheinen.

Vielen Dank und mit besten Grüßen XXX

Das Vorstellungsgespräch lief auch soweit recht gut, scheiterte jedoch, als ich nach einem Praktikantenvertrag fragte. Auch wenn einige Arbeitgeber anscheinend einen Begriff von der Generation Praktikum haben und sogar ihr entsprechendes Verständnis zum Ausdruck geben, haben diese aber in der Praxis auch nicht unbedingt viel übrig für die Rechte und Absicherungen von Praktikanten.

film: „die reise nach kafiristan“

Im Rahmenprogramm der Ausstellung Annemarie Schwarzenbach zeigt das Literaturhaus Berlin am 11.07. den Film Die Reise nach Kafirisitan (D/CH/NL 2001; 100 min; dt.).

Regie, Buch: Fosco u. Donatello Dubini. Mit Jeanette Hain, Nina Petri.
Über die Afghanistan-Reise 1939/40 von Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart.

Zwei Frauen reisen mit dem Auto von Genf über den Balkan und die Türkei nach Afghanistan. Annemarie Schwarzenbach, Schriftstellerin aus Zürich, Antifaschistin,
lesbisch, morphiumsüchtig, flüchtet vor ihrem inneren Unglück und der politischen Zerstörung in Europa. Ella Maillart, Fotografin aus Genf, Sportlerin, Ethnologin, der alles im Leben zu gelingen scheint, getrieben von der Unrast und der Suche nach Veränderung, will das archaische Leben im geheimnisvollen Kafiristan erforschen. 1939, als die Kriegsbedrohung wächst und radikale Umwälzungen in Europa bevorstehen, versuchen Annemarie und Ella mit dieser Reise ins Ungewisse ihre eigenen Krisen und ihre Orientierungslosigkeit zu bewältigen.
In der Stille der langen Fahrten durch Steppen und unendlichen Wüsten, auf kurvenreichen Pisten und durch steile Täler, werden die beiden unangepaßten, gegensätzlichen Frauen mit ihren eigenen Geschichten und Grenzen konfrontiert und kommen sich näher.

Wiederholung Freitag, 1.8., 20:00 Uhr

vortrag: umstrittenes terrain / seminar für angewandte unsicherheit

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „EUROPAREISE: Spielend Europas Grenzen entdecken“ des Seminars für angewandte Unsicherheit [SaU] gibt es morgen Abend einen interessanten Vortrag über die Überwachungsgesellschaft: Umstrittenes Terrain – Fliegende Kameras als Ausdruck neuer Trends von Überwachung. Aus der Ankündigung:

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden bereits in wenigen Jahren 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben – und damit auch die Auseinandersetzungen im und um den urbanen Raum angesichts zunehmender sozioökonomischer Spaltungen zunehmen. Die Trends – Territorialisierung, Technisierung, Trias – gehen einher mit einer „Bewertung“ dieser Räume, die so beispielsweise zu Containment-Räumen, No-go-areas, zu Erlebniszonen und High Consumtion-Bereichen gemacht und entsprechend bearbeitet werden. „Es herrscht immer Krieg in unseren Städten“, hatte Bertolt Brecht das in vergleichbarem Zusammenhang genannt. Der Vortrag zeigt an drei Beispielen, was das heute bedeuten kann.

> Do 10.7.2008 – 19 Uhr – Hörsaal 3059, Westflügel der HU Berlin

> Auf o.g. Website von SaU gibt es eine interessante Linkliste – Frontexwatch & die Anti-Bertelsmann-Kampagne kannte ich nicht…

ausgebeutet, geklagt, gewonnen

Sebastian Wieschowski berichtet auf spiegel online von der erfolgreichen Klage einer Praktikantin, die ein halbes Jahr lang bei einer Agentur in Süddeutschland für einen Stundenlohn von 2,46 EUR brutto schuftete. Ihr wurde im Anschluß an das Praktikum zwar eine bezahlte Stelle angeboten, doch sie lehnte ab und klagte. Das Landesarbeitsgericht gab ihr Recht und wertete das Praktikums-Salär als Wucherlohn. Und dieser sei sittenwidrig. Unsere herzlichen Glückwünsche gehen an die Klägerin Maria Hormann, die den Mut fand, zu klagen. Mögen es ihr viele gleichtun.

> Den Artikel „Praktikantin erstreitet faire Bezahlung“ kann man bei SPIEGEL ONLINE nachlesen.

> Ein Interview mit Maria Hormann gibt es bei zeit-zuender.

> Eine Linkliste rund um das Thema Generation Praktikum gibt es zum Beispiel bei planetpraktika.

> Interessenvertretung für alle Hochschulabsolvent/inn/en, die mit schlechten Arbeitsbedingungen und Ausbeutung konfrontiert sind, ist fairwork e.V.