geködert, geklickt, gezockt

Den reißerischen Titel habe ich bei Netzwelt geklaut. Aus aktuellem Anlass poste ich heute einen persönlichen Erfahrungsbericht mit sogenannten „Abzocker-Seiten„. Irgendwann in meinem letzten Leben war ich auf der Suche nach einem Filesharing-Client. Weil ich mich damals nicht auskannte mit P2P und BitTorrent, rief ich in den Wald, und es schallte Limewire heraus.

//Exkurs: Limewire ist ein plattformunabhängiger Filesharing-Client bzw. ein Dateifreigabeprogramm zum Zwecke des Datentauschs. Limewire ist in Java geschrieben und basiert auf dem (peer-to-peer) Gnutella-Netzwerk. Es ist sehr einfach und intuitiv zu bedienen, sehr schnell und sieht sehr hübsch aus, deshalb ist es für Anfänger/innen besonders geeignet. Ende//

Anstatt Limewire über eine Maschine zu suchen, habe ich „limewire.de“ in meinen Browser eingegeben. Gelandet bin ich nicht bei der gewünschten Seite, sondern bei p2p-heute.com, die sich offensichtlich die domain gesichert hatten, um Ahnungslose wie mich zu ködern. Das Ding ist: Limewire kann sich jeder auf der richtigen Limewire-Seite (Link s.o.) kostenlos herunterladen und installieren.

maske

Auf p2p-heute.com gibt es eine Eingabemaske, die  einige persönliche Daten abfragt – Name, Adresse und Geburtsdatum – und zur Anmeldung auffordert. Daneben befindet sich der Hinweis: „Ihre Testzeit verändert sich nach Ablauf des Anmeldetages (ab 24:00 Uhr) zu einem Abo zum Preis von 7 Euro incl. Mehrwertsteuer monatlich bei einer Laufzeit von 24 Monaten mit einer jährlichen Abrechnung im Voraus.“ Nur ließt das gemeinhin keiner. Ich auch nicht (bescheuert, selbst schuld, schon klar).

Ich habe mich, naiv, neugierig und ungeduldig wie ich war, hungrigen Herzens angemeldet, ohne lange zu Fackeln oder mich mit dem Lesen von Kleingedrucktem aufzuhalten. Schön blöd. Denn nach einigen Wochen flatterte mir eine Rechnung ins Postfach, in der ich aufgefordert wurde, den Jahresmitgliedsbeitrag von 84 Euro zu überweisen. Ich fiel aus allen Wolken, denn ich konnte mir diese Rechnung überhaupt nicht erklären. Erst nach Recherche und Grübeln kam ich auf  die unüberlegte Registrierung auf der p2p-heute-Seite.

Nun ist 84 Euro ein Betrag, den man verkraften kann. Und das ist natürlich von den Betreibern genau kalkuliert. Bei 840 Euro würde wohl fast jeder auf die Barrikaden gehen. Aber bei 84 Euro denkt man sich vielleicht: mist, dumm gelaufen, das muss ich jetzt wohl zahlen – und zahlt. Sollte man aber nicht. Limewire ist kostenfrei. P2p-heute.com bietet somit ein kostenloses Programm quasi kostenpflichtig an, nämlich qua dubioser Mitgliedschaft (Werbezeile „Downloaden bis der Arzt kommt“). Die Betreiber unterhalten eine Vielzahl von Seiten zu allen Themen: lehrstellen-heute, tattoo-heute, basteln-heute, hausaufgaben-heute, gedichte-heute, lexikon-heute usw. usf., immer nach Schema F.

Ich habe damals auf Anraten einer befreundeten Anwältin nicht gezahlt, die Mitgliedschaft schriftlich widerrufen und mit Anwalt gedroht – und nie wieder etwas von den Betreibern Schmidtlein oder ihrem Anwalt Olaf Tank gehört. Infos und Vorlagen für Musterbriefe gibt es hier.

Aber jetzt endlich die Brücke zum aktuellen Anlass: es kursieren grade Sites, durch die man – angeblich – Kinofilme und Serien ganz bequem im Stream gucken können soll, namentlich kino.to und cinema-streams.com. Gestern Abend habe ich es mal getestet (zu Informationszwecken, Lost4 interessiert mich dabei natürlich überhaupt nicht).

player

Zum Anschauen von Filmen, so machten mir die Seiten weis, benötige ich einen Player – und zwar DivX, Adobe Flash oder Veoh. Hab ich, dachte ich – und klickte weiter. Ich landete bei youload.to oder filebase.to oder firstload.to, die mir weiterhin weismachten, ich brauche die aktuelle Version dieser Player, um eine fehlerfreie Abspielung zu gewährleisten.

divx

Naja, das letzte Update ist schon ein bißchen her, dachte ich und klickte weiter – und wurde umgeleitet zu win-loads.net bzw. opendownload.de.

Auf diesen beiden Seiten wird Open-Source-Software und Freeware kostenpflichtig angeboten. In der Kategorie „Top Downloads“ befinden sich unter anderem der Player DivX, Adobe Reader, Open Office, Google Earth, Skype und Firefox. Jedes dieser (fast schon Standard-) Programme kann auf der entsprechenden Herstellerseite kostenlos heruntergeladen werden. Aber: das wissen eben nicht alle. Und die, die es nicht wissen, melden sich bei opendownload an: „Durch Drücken des Buttons „Anmelden“ entstehen Ihnen Kosten von 96 Euro inkl. Mehrwertsteuer pro Jahr (12 Monate zu je 8 Euro). Vertragslaufzeit 2 Jahre.“ Peng, Vertrag abgeschlossen, die Rechnung folgt garantiert. – Selbst schuld, könnte man nun sagen, man wurde ja schließlich von Gier (Lost4!) und Geiz (für umme!) getrieben. Aber rotten und evil und dirty ist die opendownload-Masche schon.

Allerdings kann man sich wehren. Anleitung, Hilfe und Infos dazu gibt es zum Beispiel hier, hier und hier – und hier.

Hinter o.g. Seiten verbirgt sich eine Firma mit Namen Content Services Ltd. aus Mannheim. Was die machen, ist zwar (trotz Abmahnung durch den Verbraucherschutz) noch nicht illegal – aber niederträchtig. Dann doch lieber so zu Geld kommen…

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6 Kommentare zu „geködert, geklickt, gezockt

  1. einen teilerfolg gab es ja schon bei gericht
    Keine Zahlungspflicht bei Nachbarschaft24.net
    Jetzt ist es amtlich! schallende Orfeige für Nachbarschaft24.net
    Der vorsitzende Richter fand auf nachbarschaft24.net gleich eine ganze Reihe von Gründen, warum der User trotz Anmeldung – nicht bezahlen müsse.
    Das begann mit der Frage, wofür die neun Euro pro Monat eigentlich fällig werden sollten. Die Netsolutions FZE fordert nämlich Geld für nichts, so das Amtsgericht:
    weiter->
    http://www.vorsicht-falle.net/viewtopic.php?t=404

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  2. Hallo

    Dank deiner Seite werde ich den Kampf gegen win-Loads aufnemen.
    Angeklickt – nächsten Tag Rechnung erhalten – Sofort via Mail – Fax – Einschreiben gekündigt.
    Reaktion Mail mit Kündigungsbestätigung aber soll Mindestvertragslaufzeit bezahlen.

    92 €

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  3. …mach das nicht. die werden keinen prozess anstrengen. wenn man es aushalten kann, ist ignorieren das allerbeste, reagieren muss man eigentlich erst, wenn wirklich was vom gericht kommt. aber DAS ist SEHR unwahrscheinlich. schwierig ist, sich von dem harschen ton der inkassounternehmen und geldeintreiber nicht einschüchtern zu lassen. die hauen gerne „auf die kacke“ im tonfall und geizen nicht mit drohungen. also: be strong und viel glück!!!

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  4. hi! ich hab mich eben auch von kino.to reinlegen lassen ^^ schön blöd 😀 … hab direkt nach dem klicken den 96 euro text gelesen…. nu hab ich selbstverständlich (wie ich das immer so mache) fantasie name und adresse eingegeben, nur meine e-mail adresse ist richtig! haben die irgend eine chance über meine ip an mich ran zu kommen? ich hab den aktivierungs link überigens noch nicht geklickt!

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