#The opposite of addiction: Johann Hari @ TEDGlobalLondon

The opposite of addiction is not sobriety.

The opposite of addiction is connection.

Der TED-talk des Tages zum Thema Sucht. Hörenswert. Den lahmen Originaltitel „Everything you think you know about addiction is wrong“ hab ich in meinem Titel jedoch umbenannt. Ich bin ein großer TED-Fan. Entdeckt habe ich TED vor ein paar Jahren über einen Eintrag in einem Datingportal, in dem ein User einen Talk von Esther Perel empfohlen hatte. Ich sah mir den talk an – und wurde instantan zum Fan dieser inspirierenden, buchstäblich beflügelnden Plattform (und auch von der furiosen Esther Perel, deren Blog ich seitdem regelmäßg lese).

tedKürzlich fragte eine Freundin in die Runde, was TED eigentlich sei. Ich habe geantwortet, TED sei eine Videoplattform, auf der man kurze Videovorträge zu allen möglichen Themen abrufen könne. TEDtalks sind auf 18 Minuten beschränkt und werden immer live vor Publikum vorgetragen und danach im Internet bereitgestellt. Sie ähneln somit Keynotes bei Kongressen, also prägnante kurze Präsentationen eines gewählten Themas. Das Besondere an TED ist, dass alle Sprecher/innen leidenschaftlich für ihr Vortragsthema empfinden und einen persönlichen, oft sogar intimen Bezug dazu haben, und sich diese Leidenschaft wie ein Funke ins anwesende Publikum vor Ort und sogar auf das spätere streaming-Publikum überträgt. Meist gibt es am Ende eines Vortrags standing ovations, mir kamen am Bildschirm schon ein ums andere Mal die Tränen. Die zweite Besonderheit liegt darin, dass es in der Hauptsache um Inspiration geht, in TEDs eigenen Worten „to make great ideas accessible and spark conversation“. Es geht darum, was uns als Menschen umtreibt und berührt – und warum.

Doch nun zum talk von Johann Hari. Er spricht über Drogensucht und Experimente mit Ratten, über Entzug und Rückfall und Alternativen, und über die Gründe, die dahinter liegen. Da wirds dann interessant: Haris zentraler Punkt ist, dass ein Mangel an Verbindung oder das Fehlen von Verbundenheit und Angebundensein im eigenen Leben Sucht extrem begünstigt. Sucht ist hier nicht nur Drogensucht, sondern bezieht sich genauso auf Smartphones, Internet, Shopping, Essen, Trinken, Kaffee, Rauchen… auf die ein oder andere Art und Weise sind wir ja alle süchtig. Erfolgreicher Drogenentzug kann den schon vor der Sucht empfundenen Mangel an Verbundenheit nicht wiederherstellen, „a core part of addiction… is about not being able to bear to be present in your life“, und muss somit mittelfristig so häufig scheitern, individual recovery (check) vs. social recovery (blank). Unsere Gesellschaft ist auf technischer Ebene die verbundendste, die es je gab, aber auf emotionaler die womöglich einsamste und entkoppeltste.

Tatsächlich kommt mir an dieser Stelle ein Bild vom Chaos Communication Congress in den Kopf, welches mich nachhaltig beeindruckt hat: im großen Konferenzraum, weit nach Mitternacht und nach Programmende, ist noch eine Handvoll Männer übriggeblieben, die in den hinteren Reihen an ihren Rechnern sitzen. Virtuell miteinander verbunden und im selben WLAN eingeloggt, aber es gibt keine physikalische Kommunikation untereinander. Ich habe dieses Tableau für eine lange Zeit betrachtet: Alle starren auf ihren Screen, als säße sie allein im Raum. Hätte ich diesem Bild einen Titel gegeben, hätte er „einsam“ gelautet.

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