#thedrink: „FRENCH 75“ (as seen in American Horror Story: Coven)

In der vorvorletzten Episode von American Horror Story 3, „Protect the Coven“, trinken die beiden ikonischen Oberhexen-Protagonistinnen einen extravagant anmutenden Drink: einen French 75. Ich war sofort elektrisiert. Was ist das? mixology schreibt:

Manch einen Cocktail unterschätzt man… in seiner Wirkung. Der French 75 ein solcher Kandidat. Dabei ist die Mischung aus Gin und Champagner, in diesem 1915 in der Pariser „Harry’s New York Bar“ entstanden Cocktail, zur Sensation prädestiniert. Benannt nach einer französischen Kanone, deren Durchschlagskraft während des Ersten Weltkrieges nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt war, hat dieser champagnerbasierte Cocktail eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Durchschlagskraft. Grund dafür ist der Gin, welcher sich vortrefflich hinter der prickelnden Leichtigkeit des Champagners zu verstecken weiß.

(Auffällig: Die Kriegsvokabeln tänzeln hier merkwürdig leichtfüßig im Text. Das stört mich, zugleich hab ich dieses Zitat zur Cocktailbeschreibung bewusst gewählt, weil es zum einen der oberste Treffer ist, wenn man bei der Chefsuchmaschine „French 75 Rezept“ eingibt, und zum anderen, weil mixology eine Berliner Pflanze ist – support ur local dealers.)

Ein Gin-Champagner-Cocktail also. Die Vermutung liegt nahe, dass obige Damen den Drink mit Cognac statt mit Gin zubereitet trinken, denn ‚American Horror Story: Coven‘ spielt in New Orleans, wo dieser Cocktail Tradition hat und wo er klassischerweise mit Cognac bereitet wird. Eine weitere Variation läuft unter dem Namen „French 76“ und hier ist Vodka die Zentralzutat. Mir gefällt es auf den ersten Blick mit Gin am besten. Ich hoffe, es ergibt sich bald eine Gelegenheit zum probieren.

Zutaten, Darreichung & Zubereitung – frei adaptiert nach: “Savoy Cocktail Book”, Harry Craddock, 1930

  • 3 cl Gin
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • Champagner
  • Zubereitung: Gin, Zitronensaft & Zuckersirup in den Shaker geben, mit Eiswürfeln füllen und schütteln. Dann in ein vorgekühltes langstieliges Glas abseihen, mit Champagner auffüllen und garnieren.
  • Garnitur: Cocktailkirsche (meines Erachtens sieht es mondäner aus mit einem langen geschlängelt-geschnittenen Streifen Zitronenzeste)

P.S.

Ich verlinke an dieser Stelle einen lesenswerten Text über Rassismus und Sexismus in  ‚American Horror Story: Coven‘. Denn drei schillernde großartige ältere Frauen in den Hauptrollen, siehe Bild, und die überwiegende Abwesenheit und/oder Bedeutungslosigkeit von Männern in dieser Staffel zaubern uns noch keinen insgesamt validen Frauenpowerflow auf den Tiiwiischkriin.

P.P.S. Ich ärgere mich unter dem Stichwort „Serien mit starke Frauen, die grundlos schwach gehen müssen“ immer noch über den himmelschreiend un(glaub)würdigen Abgang der furiosen Deborah im Finale von ‚Dexter‘. Aber das ist einen eigenen Eintrag wert, der vielleicht an anderer Stelle erfolgt.

#altfolk: Rozi Plain mit Rachel Horwood im Monarch

Hach. Am liebsten würde ich nur noch auf solche Konzerte gehen: Sonntag Abend, 21:00. Der wunderschöne Monarch ist fluffig gefüllt, die Stimmung etwas besinnlich. So Weißwein-statt-Bier-besinnlich. Der Abend gehört Rozi Plain, einer britischen Singer-Songwriterin, die in diesem Jahr ihr drittes Album veröffentlich hat. Sie steht mit ihrer grauen Gitarre auf der kleinen Bühne und erzählt und singt, und wird dabei unterstützt von Rachel Horwood am Banjo; die beiden ergeben ein höchst reizendes, organisch wirkendes Duo. Ich wäre nicht überrascht gewesen, hätten sie erzählt, dass sie quasi schon immer zusammen Musik machen.

roziplain

Rozis Musik ist auch live sachte, leise und zart, zerbrechlicher alternative folk mit feinen Melodien und ebensolchen Texten: It will be reported to be a difficult year, a tumultuous year. Beim Green Man Festival, zu das ich in diesem Jahr fast (aber eben halt nur fast…) gefahren wäre, schrieb man zu ihr: there’s a real sense of that whimsical departure from the hustle and bustle of modernity running through the heart of the music she’s released thus far. Das trifft es für mich genau. Obschon ich mir das Konzert anders vorgestellt hatte, mit Band nämlich, und lauter, schneller, womöglich weitaus rockiger als auf Platte, stelle ich fest: ich bin entzückt. Eine solch warmherzige und zugleich filigrane und etwas frickelige Livedarbietung, wie die beiden sie uns kredenzen, bekommt man nicht so oft. Gefühlt das Gegenteil der schrillen Hochfrequentaura des Pornfilmfests, das ich am Vortag besuchte und dessen Abschlussfeier zeitgleich zum Konzert nebenan im Südblock stattfindet. Mir geht das Herz auf und wie immer versuche ich, das Konzert atmosphärisch zu verinnerlichen so gut es geht. Lest I forget: Als Schmankerl vorab spielten spontan The Nightjar, ebenfalls Briten, ein experimental-folk-Trio mit Gesang, Kontrabass & Gitarre.

roziIch gestehe an dieser Stelle, dass ich selbst Rozi Plain wohl gar nicht entdeckt hätte. Aber dafür hat man ja Freunde (die fleißig Musikblogs lesen). Friend heißt übrigens auch ihr aktuelles Album, welches ich nach dem Konzert erstanden habe. Mit Autogramm ♥

Zum Schluss noch das Video zum Song Jogalong. Absichtlich gewählt, denn das hat Rachel gemacht (und Rachel hat es mir irgendwie angetan…), die auch zeichnet und schreibt, ihren tumblr habe ich oben bei ihrem Namen verlinkt:

#vollkaracho: Ein Epilog von Lars Ruppel

Ein schönes Buch: Zehn Gedichte über Redensarten von Lars Ruppel, seines Zeichens Poetry Slammer und darin Deutscher Meister 2014. Er schreibt im Vorwort, der Anlass zum Buch sei sein Zusammentreffen mit einer Frau Hempel gewesen, die über seine Wie-bei-Hempels-unterm-Sofa-Referenz nicht gelacht hat. Heute habe ich den Epilog gelesen, toll:

In manch Nacht in stiller Stunde

kommt ein Geist in meinen Sinn,

macht mich voll und ganz des Zweifels,

ob ich voll karacho bin.

 

Schätze mich auf halb karacho,

hab mich lang nichts mehr getraut,

Lebensmotto mehr so: „Geht so“,

und ganz blass in meiner Haut.

 

Nackt und kalt steh ich am Fenster,

Muskelspiel im Mondenlicht,

frage schwach die Nacht um Hilfe,

doch sie antwortet mir nicht.

 

Schließlich sehe ich die Lösung.

Fliegt mir durch die Nachtluft zu:

Irgendwo ist immer jemand

noch karachoer als du.

 

Also lebe ich meine Leben

so karacho, wie ich kann.

Denn an all die Volker Rachos

kommt man sowieso nicht ran.

#TTIP-Demo am Samstag in Berlin

ttip_demo_banner_300x420Hoffentlich werden wir Viele: Am Samstag findet in Berlin die bundesweite Großdemonstration gegen das geplante Freihandelsabkommen, Transatlantic-Trade-and-Investment-Partnership, statt. Als besonders demokratiegefährdend darf dabei der umfassende Investorenschutz gelten, der durch regulatorische Kooperation sowie die Einführung von Schiedsgerichten zum mächtigen Instrument wird: Konzerne könnten unter TTIP legal und direkt Einfluss auf Gesetzesentwürfe und Gesetzesänderungen nehmen. Das hieße konkret: Bevor ein Gesetzentwurf in die Hände von Abgeordneten oder an die Öffentlichkeit gelangt, ist er bereits mit Konzernlobbyisten abgestimmt. Grusel, grusel.

Start: 12:00 am Hauptbahnhof, die Demoroute führt durchs Regierungsviertel und endet an der Siegessäule. Schmankerl: The Incredible Herrengedeck werden im Rahmen der Abschlusskundgebung ein Minikonzert spielen. Und das Wetter wird gut. Worum es bei TTIP geht, erklärt Attac hier: