#hope: Godspeed You! Black Emporer in Berlin

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Wie wars bei Godspeed You! Black Emporer? Ein Interview mit mir selbst:

Godspeed You!… spielen regelmäßig in Berlin, wo fand das Konzert diesmal statt?

Im Huxley’s am Hermannplatz. Manche meckern ja über den schlechten Sound. Aber mir gefällt es dort. Quadratische Räume haben den Vorteil, dass es sich auch ausverkaufterweise etwas verläuft. Außerdem gibt es eine Empore für die, die Lust haben, von oben zu gucken, und im Vorraum ist ein Essensstand. Ist doch Luxus. Also, machen wir uns nichts vor: das wäre schon ein tolles Konzert für die Volksbühne gewesen, wo man in seinen Theatersessel hineinsinken und sich dem Soundgewitter hingeben kann. Jedoch, wie meine Begleitung anmerkte, zöge die Volksbühne tendenziell sicher eine andere, schnöseligere Crowd an.

Dann drängt sich die Frage auf: Wie war das Publikum?

Tendenziös, gut durchmischt, großes Altersspektrum, erfreulich wenig artsy-fartsy. Ich war mit einer Freundin dort und uns ist aufgefallen, dass wir womöglich die einzigen beiden Frauen waren, die gemeinsam dort waren. Es gab extrem viele Mann-Frau-Pärchen, und Kleingruppen gemischt oder männlich. Zwei Asiaten ganz vorne auf der Empore sind mir aufgefallen, das waren offensichtlich Fans. Besonders der eine hat gleich ab dem ersten Klang ein solch verzücktes Lächeln gelächelt, das bis zum Schluss auf seinem Gesicht lag, dass ich mich immer mal wieder zu ihm umgedrehte, weil das so schön aussah.

Was hast Du für eine Beziehung zur Band?

Um ehrlich zu sein habe ich keine. Ich bin aus Neugierde zum Konzert gegangen und könnte weder einen Albumtitel noch den Namen eines Bandmitglieds nennen. Auch war mir nicht klar, dass es sich um Kanadier handelt. Ich wusste nur um ihren Ruf als Paten, Väter, Pioniere, Götter des Postrock. Das hat mich interessiert, vor allem live. Ich gehe zu Postrock-Konzerten wegen der Sinnlichkeit. Für mich sind es primär körperliche Erfahrungen, im besten Falle kommt es zu einer Katharsis irgendwo im ganzlaut-ganzleise-Soundrausch. Und weil Godspeed diese Aura von ‚wichtig/visionär‘ umgibt, habe ich mir eine hochkarätige Emo-Peitsche erhofft. Und gekriegt.

Wie lief der Abend ab?

Zuerst gab es die Vorband in Form von Xarah Dion. Laut-düster-luftige Synthimusik mit Gesang. Poppiger Industrial? Ich dachte jedenfalls: wow, coole Frau, die steht da oben alleine an ihren Synthis und schmeisst den WarmUp für die Genresuperstars; mit Gesang! Sie stammt aus Montreal und Noisey hat ein Interview mit ihr geführt, indem sie sie a Donna Summer for a dystopian metropolis nennen. Auffällig: weder sie noch Godspeed haben auch nur ein Wort ans Publikum gerichtet. Godspeed waren zu acht auf der Bühne, mit Kontrabass und Geige und zwei Drums, aber ohne Bläser. Die Hintergrund-Projektionen waren superschön, besonders im Kopf geblieben sind mir s/w-Sequenzen mit Vögeln, Schwalben vielleicht, die Kamera folgt einfach dem Schwarm am Himmel entlang. Das hätten gut Aufnahmen aus den 50er Jahren sein können, minimalistisch und zeitlos, wie auf den Strand aufschlagende Wellen oder Feuer, geht immer. Dann gab es noch Rehe und Hirsche im Dunklen, einen Abrissbagger, Straßen mit Fahrzeugen. Immer ganz simple Sachen, die Kamera hält einfach drauf. Ganz am Anfang erschien, programmatisch anmutend, das Wort HOPE. Musikalisch war es was für Mark und Bein. Komplex und krawummmmm.

Ich war überrascht, wie viele Leute durch den Raum pilgern während das Konzert lief. Einen Mann mit „…and you will know us by the trail of dead“-Shirt habe ich x-mal an mir vorbeilaufen sehen (und ich habe bestimmt nicht jedes Mal geguckt als er lief). Das käme mir gar nicht in den Sinn. Für mich war das absolut Musik für Hingabe und Fokus nach innen. Ich stand dafür extra etwas abseits an im linken hinteren Teil der Halle, mit Platz zum ausdehnen. Tanzen wäre jetzt zuviel gesagt, aber ich wollte spüren, ob die Musik mich bewegt. Und das hat sie.

Merch?

Yeah. Vinyl, CDs und super T-Shirts gab es. God’s pee. Hier sieht man es (das Bild habe ich bei Tumblr gefunden):

Zum Abschluss: wo kann ich mal reinhören und gibt es ein schönes Fan-Zitat?

Hier gibt es das aktuelle Album „Asunder, Sweet and Other Distress“ zu hören:

Ich zitiere dazu einen geneigten Leserkommentar aus The Quietus:

In 1972, Tangerine Dream released an album which changed everything. Atem.
The first 45 seconds are possibly some of the most disturbing sounds ever committed to vinyl, like waking up and finding yourself in an oxygen tent in hell. Sounds were created electronically that you just knew had never been heard before.
I have the same feeling about „Asunder, Sweet, And Other Distress“.
It is only possible to listen to it as one complete 40 minute track, as from the opening pounding drum beat to the maelstrom of guitars and violin that drive the final segment, Piss Crowns are Trebled, and a middle-eastern spice flavoured fade-out, you’re taken on a journey. The second segment, Lamb’s Breath, begins with 2 and a half minutes of guitar feedback before settling into a period of atmospheric electronics, culminating in 2 minutes of an oscillating hum. The sounds inside an an alien spacecraft preparing for take-off, then section 3, Asunder Sweet, soundtracks the journey to a distant planet, before the aforementioned Piss Crowns, over 13 minutes, drives to a majestic conclusion.
Not recommended for anyone who likes lyrics and tunes. Recommended for those brave enough to want to hear something completely unique and original and life-changing.

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