#I love you: Ho99o9 und NAH im SO 36

Über Nerdcore wurde ich aufmerksam auf Ho99o9, gesprochen Horror, ein Duo aus aus New Jersey (jetzt LA). Beschreibungen der Band rufen phantastische Wortschöpfungen auf – Experimental Trashcore Rap, Crossover Afropunk, Horrorcore, Aggro Punkrock Hip Hop – und gefühlsduseln von deren rabiaten Liveauftritten. Ich habe mir also Karten für das Konzert im SO36 gekauft. Erstmal ein Foto:

Ein Selfie der Band, das heute auf Twitter & Co. zu sehen ist, auf dem ich mich selbst sogar im Bildhintergrund entdeckt habe. Es war einer der nicht ausverkauften Abende, an denen das SO36 den Raum mit einem Vorhang geteilt hat, damit die Leute näher zusammenrücken. Es bleibt fluffig, so dass ‚Mosh pit‘ und ‚Restpublikum‘ liebevoll wie selten koexistieren. Die Crowd hat Bock und sieht interessant aus, die vielen stark tätowierten Menschen fallen mir auf und der hohe Frauenanteil. Und ein Typ, bei dem ich nicht weiß ob die Löcher in seinem Shirt American Apparel Design oder Lebensspuren sind.

Aber der Reihe nach: zuerst spielt NAH, ein Mann, Drums, Vocals, Samples-Kulisse. Als ich reinkomme, schreit er grade „I could fuck you up if I wanted to“ ins Micro. Sehr super. Unten noch mehr zu ihm. Ho99o9 sind theOGM & Eaddy (beide vocals) und, für diesen Abend, Ian Longwell (drums). Der Rest der Musik kommt von Festplatte. Es sind drei stylische Jungs mit Sexappel, die viel nackte Haut zeigen und ziemlich berserkermäßig abgehen. TheOGM wirkt dabei entrückt, betritt die Bühne in einer Art Brautkleid und vermummt, später entblößt in Boxerhose, mit Klauenhandschuh und Vampirgebiss. Eaddy wirkt roher, aber auch präsenter, mit grüngefärbten Haaren und Sid-Viscous-found-dead-Shirt. Er schmeisst sich immer wieder ins Publikum und macht auch die wenigen Ansprachen. Und er zeigt einen Rückwärts-Salto, da hab ich nur leider grade nicht hingesehen. Damn! Ich war wohl kurz abgelenkt von Ian, der in Unterhose am Schlagzeug sitzt.

Ich würde die Musik unter ‚Noise‘ subsumieren, sie ist laut und hat live auf jeden Fall ordentlich Druck, weitaus mehr als von Platte. Spricht sicher zu Fans von Atari Teenage Riot. Vom Text habe ich zwar kein einziges Wort verstanden, aber es hat gut gerappelt im Karton. Ich hätte es mir ein Quäntchen… tja was… gefährlicher vorgestellt (so wie ich mir Alien Sex Fiend live gefährlicher vorgestellt hätte). Aber wer wie ich noch nicht dazu kam, die sich überschlagenden politischen Ereignisse der letzten Tage körperlich zu verarbeiten, hatte hier Gelegenheit dazu. Krach, Druck, Dringlichkeit, alles kotzt mich an und jetzt kotze ich zurück. Im Kontext der jüngsten Anschläge hat der Abend durchaus eine politische Konotation, als Verkörperung von ‚Life makes no sense’/Wut/Ohnmacht/Tumult etc. Bezeichnenderweise sind jedoch die letzten Worte, die die Band ans Publikum richtet ‚I love you‘. Leider war es ein kurzer Abend; viel Material gibt es eben noch nicht. Fotos vom Konzert gibt es hier (credits: Carsten Thesing).

Das beste Band-Shirt:

Interviews: Ho99o9 bei L&Q und BEAT, NAH bei survivingthegoldenage.

Musik: Ho99o9 bei Soundcloud, NAH bei Bandcamp.

Ho99o9 live at the Meatlocker/full set:

NAH Official Video:

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