#heilung: Fonds Sexueller Missbrauch

[UPDATE 4/2016: Anträge können über den 30. April 2016 hinaus gestellt werden!]

Grade wird viel über den Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich gesprochen, denn der Zeitraum für die Antragstellung geht zu Ende. Auch ich habe in den letzten Tagen Infos an Menschen aus meinem Umfeld geschickt, weil ich die Existenz des Fonds für eine (erstaunliche und) gute Sache halte und hoffe, dass möglichst viele Menschen davon profitieren und Gelder aus dem Fonds für sich nutzen können. Der Fonds hat ein kostenloses Infotelefon – 0800 400 10 50, bei dem Anrufende anonym bleiben können (keine Rufnummernübertragung, Name muss nicht genannt werden). Grade habe ich mit dieser Kontaktstelle telefoniert, um mir valide Infos zu besorgen:

WORUM GEHT ES?

Beim Fonds können Menschen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, Gelder für Sachleistungen beantragen, die der eigenen Heilung dienen. Pro Person können bis zu 10000€ beantragt werden. Hat man also bestimmte Therapien, Kurse, Seminare im Auge, die bisher unerschwinglich schienen, so lässt sich der Fonds genau dafür anzapfen. Die Antragstellung ist noch bis zum 30. April 2016 möglich.

WER KANN LEISTUNGEN BEANTRAGEN?

Menschen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben. Voraussetzungen:

  • Betroffene/r war zum Tatzeitpunkt minderjährig
  • der Missbrauch hat im familiären oder familiennahen Umfeld stattgefunden
  • der Missbrauch hat in Deutschland stattgefunden (BRD/DDR)
  • die Leistungen im Antrag werden nicht schon von anderen Stellen finanziert

HINWEISE ZUR ANTRAGSTELLUNG:

  • Antragsteller/innen können (und sollten) sich unterstützen lassen: in der Rubrik Antragstellung auf der Fonds-Website kann man entsprechende Einrichtungen pro Bundesland suchen und einen kostenlosen Termin vereinbaren.
  • Veranstaltungshinweis für Berlin: Das Lara Krisen- und Beratungszentrum für Frauen in Schöneberg führt am Freitag, den 12. Februar eine Infoveranstaltung zur Antragsstellung durch. Weitere Infos hier.
  • Es gibt keine Barausschüttungen oder Geldleistungen, sondern man beantragt Sachleistungen, meist in Form von Therapien, aber auch Kurse, Qualifizierungen etc. sind möglich, so lange der Bezug zur eigenen Heilung dargelegt wird.
  • Es ist möglich, nicht nur eine Maßnahme/Therapie/Sache zu beantragen, sondern eine Liste einzureichen – womöglich wird einiges bewilligt, anderes abgelehnt.
  • Es wurden auch schon Anträge abgeleht, dazu konnte man mir keine Detailangaben machen, aber mögliche Gründe sind: fehlende Eindeutigkeit (also: die Missbrauchserfahrungen sind nicht sexueller Natur)

HÜRDEN:

Ein solcher Fonds bringt zwangsläufig eine bürokratische Struktur mit es – es scheint jedoch bei dem sensiblen Thema Missbrauch besonders absurd, die eigene Geschichte „antragstauglich aufbereiten“ zu müssen.

Entscheidungsgrundlage der Bewilligung oder Ablehnung: wer will auf welcher Grundlage entscheiden, ob einem Menschen Fondsgeld zusteht (oder nicht), oder ob es Mensch A mehr zusteht als Mensch B.

Triggergefahr: Zwangsläufig nimmt der Antrag einige Zeit in Anspruch und bringt eine konkrete Beschäftigung mit der Missbrauchserfahrung mit sich.

Tja, und dann ist da noch dieser Satz: „Ein Rechtsanspruch besteht nicht.“ Muss juristisch gesehen bestimmt da stehen. Aber ich frage mich, was es in einem Menschen auslöst, der sich dazu durchgerungen hat, den Antrag zu stellen, dafür Arbeit investiert hat, nochmal der düsteren Vergangenheit ins Auge gesehen hat – und die Gelder dann nicht bewilligt werden. […]

Positiv fällt auf, dass die von der Agentur ]init[ gemachte Seite sich per Klick auf „leichte Sprache“ und Gebärdensprache umschalten lässt. Könnte sich das Finanzamt mal eine Scheibe von abschneiden. Und das Jobcenter auch.

WEITERE INFOS (PDF):

 

 

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