#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern

isolation_berlin_by_noel_richter[ Foto: NOEL RICHTER – Website, Tumblr, Facebook ]

Alle feiern Isolation Berlin ab. Ich auch. Das Record-Release-Konzert war ganz famos, viel besser noch gedacht. Nicht nur ist „Aus den Wolken tropft die Zeit“ ein guter Albumtitel und „Isolation Berlin“ ein guter Bandname, und die Location, nämlich die Feierhalle des Friedhofs am Südstern, spektakulär; vor allem aber haben die vier Jungs einen rohen und passionierten Live-Brocken rausgehauen. Und der fuhr direkt rein ins Herz. Namedropping mon amour: Die Musik erinnerte phasenweise sehr doll an die Scherben und an Rio solo, man kann auch Element of Crime Einflüsse hören wenn man möchte, AnnenMayKantereit scheint durch und augenblickeweise die leiseren Turbostaat. Alles wird unumwunden mit großer Pose vorgetragen, jedes Stück wird so zum Heuler. Sie trauen sich, die volle Emokante zu bringen. Darin sehe ich, eher als in der Musik, die vielzitierte Parallele zu Joy Division: gut vorstellbar, dass Isolation Berlin dieselben Knöpfe bei uns drücken wie damals Joy Division bei ihren ersten Fans (dessen ungeachtet: herrlich, wie Gudrun Gut in B-Movie über den Joy Division Hype abkotzt): Die Nacht ist lang, das Herz ist hungrig, einer geht noch, irgendwo ist Schmerz. Supermelancholisch, aber halt kein Kitsch. Passt herzerquicklich gut zu Berlin (ich spar mir mal geflissentlich das Wort ‚Soundtrack‘), wo alle feiern und vögeln und daten, und gleichzeitig einsam sind. Da fällt mir ein, dass links vorne an der großen Säule ein Typ stand, dessen okcupid-Profil ich meinte zu kennen. Der Wahnsinn hält mich warm.

Mein Highlight war neben dem Smashhit ‚Grau in Grau‘ die Zugabe: eine deutsche Version von Pulps ‚Common People‘. Ziemlich großes Kino – und angesichts der hochfrequenten Britishness des Songs auch eine überaus mutige Wahl. Ich musste während des Konzerts immer wieder an ein Gedicht von Erich Kästner denken, welches ich in der Musik perfekt verkörpert sah – und damit schließe ich auch diesen Bericht:

Erich Kästner: Kleines Solo

Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
Einsam bist du sehr alleine –
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.
Einsam bist du sehr alleine –
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben, wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Musst erfahren,
dass es nicht die Liebe ist …
Bist sogar im Kuss alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du sehr alleine –
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

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