#intimität: Das 3-Minuten-Spiel nach Faddis/Martin (hier: für ein Paar, oder zwei Spieler)

Heute mal eine Empfehlung für eine Berührungsübung, nämlich das 3-Minuten-Spiel. Dafür muss ich eine neue Kategorie aufmachen, ich nenne sie Intimität, denn dafür interessiere ich mich grade. Erfunden wurde das Spiel von Harry Faddis, ich habe es jedoch über die wundervolle Betty Martin entdeckt und neulich im Rahmen einer Gruppenübung kennengelernt. Es ist ein simples Spiel, das ich so eindrücklich fand, dass ich es hier beschreiben möchte. Zum nachspielen oder einfach zur Inspiration. Es geht um Wünsche, Berührungsqualität und Consent. Consent im Sinne von beidseitigem Einverständnis und aktiver Zustimmung. Mehr dazu unter der Spielanleitung.

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Mensch A wird zweimal von Mensch B nach einem Berührungswunsch gefragt, einmal als Gebender und einmal als Empfangender. Ich gebe den Spielenden Namen, dann ist es greifbarer:

Frage 1 – Uli fragt Chis: WIE MÖCHTEST DU IN DEN NÄCHSTEN DREI MINUTEN VON MIR BERÜHRT WERDEN?

Chris anwortet – und ist eingeladen, sich genau das Richtige für diesen Augenblick von Uli zu wünschen. Alles ist erlaubt – klein, groß, spektakulär, banal, zart, fest, vage oder detailliert beschrieben… beide stimmen miteinander ab, ob das Gewünschte okay ist, oder verhandeln, wie es okay wird. Wenn beidseitig Einverständnis da ist, erfüllt Uli Chris seinen Wunsch. Uli berührt Chris.

Frage 2 – Uli fragt Chris: WIE MÖCHTEST DU MICH IN DEN NÄCHSTEN DREI MINUTEN BERÜHREN?

Chris antwortet. Wieder ist er eingeladen, einen wirklichen Wunsch zu formulieren, zu überlegen, wie er Uli berühren möchte, wieder ist alles erlaubt. Diesmal ist er gebend. Beide stimmen wieder miteinander ab, ob das Gewünschte okay ist oder verhandeln, wie es okay wird. Wenn beidseitiges Einverständnis da ist, erfüllt Chris sich seinen Wunsch. Chris berührt Uli.

Danach kann man das Erlebte miteinander besprechen. Und dann die Rollen tauschen. Oder nicht 😍 Schaut Euch beim Fragen und Antworten in die Augen und setzt klare Anfangs- und Endpunkte für die jeweilige Berührung.

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Es ist eine wirkungsvolle praktische Übung zum Wünsche-wahrnehmen, Wünsche-aussprechen, Wünsche-erfüllt-bekommen und aktive Consent-Praxis. Und absolut intimitätsfördernd. Die Wünsche können sexuell oder erotisch sein – oder überhaupt nicht. Das Spiel lässt sich mit dem/der Partner/in spielen, mit Freunden, mit Fremden. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem seien zwei Videos von Betty Martin ausdrücklich empfohlen.

Für eine Consent-Definition zitiere eine Passage von Staci Haines, die einen großartigen Text dazugeschrieben hat und die Fluidität des Ansatzes für mich genau auf den Punkt bringt:

Consent is the ability to choose, based on your own internal experience, what you want physically, emotionally, mentally, spiritually, and sexually. Consent also includes clearly communicating those wants to your partner(s). It means being responsible for taking care of your boundaries, needs and desires. Consent is an ongoing process of making choices. You can consent to one thing and not to another, or change your mind at any point in an experience, including a sexual encounter.
Most people think about consent as the ability to say “no.” “No,” however, is only one response to a possible choice — “yes” is another. And between “yes” and “no” there is a huge territory, which I call the land of “maybe.” In that land, you can take time to notice and reflect on what you want, decide if a certain choice takes care of what you care about, and look at taking healthy risks. You can think of that territory as “I don’t know, I’ll get back to you about that.” It is where you initially spend most of your time when it comes to consent and boundaries.

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