#playlist: FRAUENSTIMMEN

Schon länger schwirrt mir eine Playlist nur mit Frauenstimmen im Kopf herum. Und nun hab ich sie gemacht: The Poker House. Die Savages machen den Anfang und Tracy Chapman schließt. Und einen neuen Song von Polly Jean gibt es auch. Handverlesen und wild wie das Aprilwetter dieser Tage:

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#weiseworte: Marc Aurel

Immerwährende Lebensweiheiten, heute mit: Marcus Aurelius (römischer Kaiser von 161 bis 180 n. Chr.). Ich habe mir seine Selbstbetrachtungen kürzlich gekauft, eine Sammlung von Leitsätzen und Gedanken über menschliche Werte, Übereinstimmung mit der Natur, inneren Frieden und Selbstbesinnung. Dieses philosophische Tagebuch ist ein Plädoyer für die Abkehr vom Streben nach Ansehen und „herrischem Prunk“. Verblüffend aktuell – so komme ich beispielsweise nicht umhin, diese Passage als politische Handlungsempfehlung, gar als Kommentar zur AfD zu lesen:

 

Pflege deine Urteilskraft! Sie allein kann dich davor bewahren, daß in dir Ansichten entstehen, die mit der Natur und der Beschaffenheit eines vernünftigen Wesens im Widerspruch stehen. Sie aber verlangt von uns Enthaltung von vorschnellen Urteilen, Wohlwollen im Verkehr mit den Menschen, Gehorsam gegenüber den Göttern.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, Drittes Buch/9

#mjusike: WANN STRAHLST DU? / MONDO CANE

Ich widme diesem trüben Tag eine zuckersüße Netzperle: der Smash-Hit „Wann strahlst Du?“ von Erobique und Jacques Palminger wurde mit Bewegtbildern besoffener Bürgerinnen und Bürger visualisiert. Diese entstammen der „shockumentary“ Mondo Cane** von 1962 („on the Reeperbahn Strasse of Hamburg, Germans drink excessively and act incredibly stupidly, mehr Info unten) und schmiegen sich wie eine hauchzarte Federboa um den Song. Man kriegt sofort gute Laune:

Schnitt und Bearbeitung: Hilmar Stehr, Berlin 2015

Und hier die erhebenden Lyrics: „#mjusike: WANN STRAHLST DU? / MONDO CANE“ weiterlesen

#film: ANDERSON. Kein richtiges Leben im Falschen.

Der Film Anderson von Annekatrin Hendel lässt mich ratlos und aufgewühlt zurück. Es ist eine Annäherung an Sascha Anderson, ehedem schillernder Kulturpapst der Ostberliner Undergroundszene und Stasi-Spitzel. Der Film bittet auch seinen Freundeskreis von damals zu Wort, jene Verratenen, die er jahrelang ausspionierte. Als Zuschauer, so sollte man meinen, erfahren wir hier etwas über die „Strategien, die Leute an den Tag legen, um ein Ereignis, das aus der eigenen Biographie katastrophisch ragt, ins Weiterleben zu integrieren, sich das eigene Leben schlüssig erzählen zu können“ (Sebastian Markt). Der Film wirft viele Fragen auf, weitaus mehr als er beantwortet: eine Einladung zur Diskussion.

Sascha Anderson © DPA, click to view source

„#film: ANDERSON. Kein richtiges Leben im Falschen.“ weiterlesen

#lyrik: Max Herrmann-Neiße

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Vor der Achilles-Statue im Hyde Park, 1935. © ULB Münster

Es ist Freitag. Zeit für erhebende Worte. Heute mit Max Herrmann-Neiße, denn es ist sein 75. Todestag:

Liebeslied in böser Zeit

Warum trauern?
Noch ist nichts verloren.
Die weißen Mauern
der Berge bestehn.
Vor den Toren
der Stadt blühen die Wiesen.
Geschlechter kommen, Geschlechter gehn.
Immer gab es Hölle und Wüstenei
neben den Paradiesen,
immer über dem Abenteuer
die Heimatglocken.
Immer wieder wird Mai,
leuchten die Johannisfeuer,
wehn vor den Fenstern Schneeflocken,
schmecken Dir Äpfel und Nüsse,
macht ein Lied uns Mut.
Und wenn ich Dich küsse,
endet das Märchen gut.

♦ Max Herrmann-Neiße

~courtesy of the very wonderful Verbrecher Verlag

Wer noch mehr von Herrn Herrmann lesen möchte, klicke hier

#mjusike: endlich eine neue „Scotsman No Top 100 Radio Show“

Das rock’n’rolligste Webradio der Welt ist zurück! Ich hab mich schon gefragt, was mit Scotsman los ist… doch dann kam die neue No Top 100 Radio Show raus, 60 minutes full of punkrock/garage/wild-stuff hotties, garantiert nicht massentauglich. Wie immer handselektiert und hervorragend moderiert. Noice. Danke, Scotsman, was hamwa Dich vermisst. Hier die playlist, click to rock:

playlist april

#mediasteak: Die Revolution der Selbstlosen

Ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe und empfehle die arte-Dokumentation Die Revolution der Selbstlosen, die derzeit auf der zu bejubelnden Seite Mediasteak zum streamen bereitsteht. Das ist eine von zwei Berlinerinnen betriebene Seite, die für uns das Mediathekenangebot kuratieren und die Filetstücke herausfiltern. Klasse Ding. Ich bin jüngst zufällig darauf gestoßen, als ich besagte Doku anschauen wollte, sie jedoch bei arte nicht mehr verfügbar schien.

Der Film, den ich wärmstens empfehle, geht der Frage nach, wie wir die in uns allen angelegten positiven Eigenschaften wie Empathie, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn, Solidarität, Altruismus begünstigen und stärken können. (Das Zauberwort heisst: Achtsamkeit.)

Nach Studien der Universität Yale verfügen Babys bereits in den ersten Lebensmonaten über ein moralisches Urteilsvermögen, eine Art Gerechtigkeitssinn und zeigen spontan altruistische Verhaltensweisen. Angesichts der weltweiten Herausforderungen, die nach radikalen Veränderungen rufen, stellt sich die Frage, ob und wie diese positiven Charaktereigenschaften des Menschen gefördert werden können. Könnte man Selbstlosigkeit womöglich sogar üben? Unermüdlicher Botschafter dieser Überlegung ist der studierte Molekularbiologe Matthieu Ricard. Der buddhistische Mönch studiert mit Hirnforschern die Wirkung von Meditation auf das Gehirn – mit Erfolg. Zahlreiche Experimente zum Geistestraining weisen nach, dass die individuelle Wandlung möglich ist. Meditationsübungen an Schulen in Problemvierteln zeigen bereits überraschende Erfolge im Sozialverhalten und im Kampf gegen Aggressionen.

Interessanterweise ist für mich das Wort „selbstlos“ negativ konnotiert. Es klingt nach Christentum, Moral und Aufopferung. Der Thesaurus liefert mir genehmere Alternativen wie edelmütig, hilfsbereit, solidarisch, uneigennützig, nicht auf den eigenen Vorteil bedacht. All das können wir jedenfalls in rauen Mengen gebrauchen. Daher:

Zur Doku auf Mediasteak bitte hier entlang…

#mjusike: Voice of Iranian Women 02

Allein für solche Entdeckungen lohnt sich ein Soundcloud-Profil: Moji Taali, ein in Berlin lebender Iraner, hat anlässlich des internationalen Frauentags einen weiteren wirklich wunderschönen Flow von weiblichen Iranischen Stimmen zusammengestellt (den ersten gibt es hier, auch sehr hörenswert):

 

Er schreibt dazu:

Putting together this latest mix of tracks was an emotional experience. This time the occasion is International Women’s Day. A reminder for us all, especially men, that we could do a lot better when it comes to equality, women’s rights and their place in society. In this mix you will hear touching women voices and melodic iranian music; sometimes assertive as well as happy ones. Some are also very nostalgic. An attempt to be a mirror image of Iran’s women movement.

~Wow. Das Anhören ist ebenfalls eine emotionale Erfahrung. Die Tracklist ist bei Soundcloud sichtbar. Und er arbeitet sogar an einer Übersetzung der Texte.

#einklichganzgeil: Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen (im Badehaus Szimpla)

Heureka, starker Auftritt gestern im Badehaus: Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen, aus Kiel. Entgegen meiner Gewohnheit stehe ich in der zweiten bis ersten Reihe und stelle fest: Es handelt sich um drei äußerst sympathische Herren in den besten Jahren (einer attraktiver als der andere – wäre ich Groupie, wüsste ich gar nicht wo anfangen). Ihre Musik bezeichnen sie an dem Abend selbst als „Problempunk“. In einem Interview mit OX wirds „Gitarrenmusik mit Elektrogelöt und deutschen Texten“ genannt, auf facebook steht „Northern Punk mit Elektrogebimmel“. Joah, kann ich überall mitgehen. Markant und eigenwillig, hat schon ne ordentliche Melancholiekante, und ich sach ma: „#einklichganzgeil: Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen (im Badehaus Szimpla)“ weiterlesen

#achtsamkeit: Loslassen und Präsenz

stressful_thoughtDer Frühling zeigt sein scheues Gesicht. Deshalb zwei Inspirationen über Loslassen und Präsenz: Auf der  bezaubernden Seite Pixel Thoughts kann man einen trübsinnigen Gedanken in ein Feld eintragen und diesen dann im Meta des Lebens, des Universums und des ganzen Restes vaporisieren sehen. Simple Idee und hübsche Umsetzung. Funktioniert auch im Büro: das Mini-Ritual dauert nur eine Minute. Als Zweites eine Sutra über Gegenwärtigkeit. Neulich traf ich einen Freund und er erzählt mir, dass er grade einen Text eines alten Zen-Meisters ließt, mit dem er viel anfangen kann. Zen ist ein Bereich, über den ich nicht viel weiß, aber mir gefiel schon immer die Weisheit und Rätselhaftigkeit buddhistischer Sutren; so dass ich es zum Anlass nahm, einmal wieder eine zu lesen. Diese fiel mir in die Hände:

Buddha erzählt in einer Sutra die folgende Parabel:

Ein Mann, der über eine Ebene reiste, stieß auf einen Tiger. Er floh, den Tiger hinter sich. Als er an einen Abgrund kam, suchte er Halt an der Wurzel eines wilden Weinstocks und schwang sich über die Kante. Der Tiger beschnupperte ihn von oben. Zitternd schaute der Mann hinab, wo weit unten ein anderer Tiger darauf wartete, ihn zu fressen. Nur der Wein hielt ihn.
Zwei Mäuse, eine weiße und eine schwarze, machten sich daran, nach und nach die Weinwurzel durchzubeißen. Der Mann sah eine saftige Erdbeere neben sich. Während er sich mit der einen Hand am Wein festhielt, pflückte er mit der anderen die Erdebeere. Wie süß sie schmeckte!

Quelle: Paul Reps (Hg), Ohne Worte – ohne Schweigen. 101 Zen-Geschichten und andere Zen-Texte