S C H I M Ä R E

# Unsere irdischen Sterne — August 30, 2015

# Unsere irdischen Sterne

Ich mag Rose Ausländer gerne. Ich besitze drei Gedichtbände mit kürzerer Lyrik von ihr, nie mehr als eine Seite, oft nur wenige Verse lang. Sie vermag es, große Themen in schmalen Zeilen darzulegen. Ich möchte gerne einmal ihr Grab auf dem Jüdischen Friedhof in Düsseldorf besuchen. Enorm: Rose Ausländer beschloss, als sie schon weit über 70 war, ihr Zimmer im Nelly Sachs Haus nicht mehr zu verlassen und sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. So schrieb sie bis zu ihren Tod im Jahr 1988 noch über 20 Gedichtbände und erhielt u. a. das Bundesverdienstkreuz.
Heute also ein Gedicht von ihr, Unsere Sterne:

Um den Atemmond

namenlose erleuchtete Sterne

Unsere irdischen Sterne

Brot Wort und

Umarmung.

#Netzlese: Altersvorsorge – Alkoholismus – Mutterschaft – Flüchtlingsdebatte — August 28, 2015

#Netzlese: Altersvorsorge – Alkoholismus – Mutterschaft – Flüchtlingsdebatte

Guten Morgen. Meine Netzlese:

Interview auf den Nachdenkseiten mit Ingo Schäfer von der Arbeitnehmerkammer Bremen, der grade eine Studie veröffentlicht hat, die zeigt, dass das sog. “Drei-Säulen-Modell” der Altersvorsorge (gesetzliche, private und betriebliche Rente) nicht wie gewünscht greift. Überhaupt keine Überraschung.

(1) Nachdenkseiten: “Das Drei-Säulen-Modell in der Altersvorsorge funktioniert nicht”.


Ein Mann berichtet im SZ-Magazin von seinem alkoholkranken Bruder und erzählt ihre gemeinsame Geschichte. Grade in der Ausführlichkeit berührend, eine detaillierte Schilderung von Hilflosigkeit in Konfrontation mit schwerer Sucht. Der Autor bleibt dabei anonym, um die Persönlichkeitsrechte seines Bruders zu wahren.

(2) SZ-Magazin: “Ein ertränktes Leben”.


Die hochschwangere Sängerin-Songschreiberin-Künstlerin Amanda Palmer schreibt einen offenen Brief als Antwort an einen weiblichen Fan. Die Frau hatte Sorge geäußert, Amandas künstlerisches Schaffen, genauer: die Wertigkeit ihrer Kunst würde mit der baldigen Mutterschaft leiden und in Frage gestellt, ob Amanda ihr bei Patreon erzieltes Mikro-Patronat (Crowdfunding-Modell für Künstler: finanzielle Unterstützung durch Fans zur Realisierung von Kunstprojekten) überhaupt noch in Anspruch nehmen dürfe.

(3) Medium.com: “No, I Am Not Crowdfunding This Baby (an open letter to a worried fan)”.


Obwohl ich den Titel nicht optimal finde, ist dies ein lesenswerter Blog zur aktuellen allseitig so leidenschaftlich hasserfüllten Flüchtlingsdebatte, verfasst von Robin Mesarosch. Genau der von ihm illustrierte Punkt hat mich gestern beim Anschauen des umjubelten Statements von Joko und Klaas gestört. Aber seht selbst (und eine gute Replik darauf gibts von Misha Anouk, zu finden in den pingbacks unter dem Artikel):

(4) Politpyro: “Nazis wie Untermenschen behandeln? Eher so mittelklug”.

#achtjahre — August 25, 2015
# 10 Bands, bei denen der Bassist der Sänger ist —

# 10 Bands, bei denen der Bassist der Sänger ist

Weil es immer mal wieder aufpoppt, das Thema: Bands, bei denen der Sänger gleichzeitig der Bassist ist. Also Leadsänger & Bassist in Personalunion. Ich selbst hätte aus dem Kopf nur Level 42, die Beatles, Rush und Lemmy nennen können. Der Rest ist “recherchiert”. Oha. Hier sind sie also, ohne Anspruch auf Vollständigkeit versteht sich (Ergänzungen immer gerne):

  1. Police (Sting)
  2. Motörhead (Lemmy)
  3. Beatles (Paul McCartney)
  4. Primus (Les Claypool)
  5. Level 42 (Mark King)
  6. Type-O-Negative (Peter Steele)
  7. Rush (Geddy Lee)
  8. Slayer (Tom Araya)
  9. Spider Murphy Gang (Günther Sigl)
  10. NOFX (Fat Mike)

 

#click it: Deutsches Museum des Katers — August 19, 2015
#mashup: Portishead vs. James Brown — August 18, 2015
# Die Magie des Frank N Furter — August 17, 2015

# Die Magie des Frank N Furter

Die Rocky Horror Picture Show ist in diesem Monat 40 Jahre alt geworden und ist damit genauso alt wie ich. Obwohl ich schon einige Bühnenproduktionen gesehen habe, habe ich immer den Film von 1975 als das Original empfunden. Er hat die stärksten und pointiertesten Figuren, allen voran Dr. Frank N Furter in der Darstellung von Tim Curry:

Wenn ich zurückdenke, habe ich als Heranwachsende in seiner Figur zum erstenmal bewusst so etwas wie erotische Anziehungskraft gespürt. Ich fand Frank N Furter unglaublich sexy und konnte gar nicht oft genug zurückspulen, um seine Sweet-Transvestite-Performance nochmal zu sehen (VHS, Baby, those were the days). Sein Strapsen-Outfit, sein übertriebenes Make-Up, seine hohen Schuhe, der laszive Hüftschwung und die Art, wie er seine Augenbrauen hochgezogen und keinen Hehl aus seinem sexuellen Appetit gemacht hat. Das alles hat mich als Jugendliche fasziniert und angemacht. Ich fand ihn eine unglaublich ausdrucksstarke und männliche Figur, voller sexueller Konnotationen und so explizit, lustvoll und furchtlos darin, sich auszudrücken. Frank N Furter hat mich elektrisiert. Ich habe ihn angehimmelt wie man eben nur als Teenie eine Filmfigur anhimmeln kann…

Frank N Furter ist ja im Film der Inbegriff für das Pansexuelle, das konnte ich Weiterlesen

#musik: Das Montagssorbet —

#musik: Das Montagssorbet

Montag. Wer sich montags, so wie ich, manchmal schwertut, dem lege ich die Montagssorbets von Laut&Luise ans Herz. Schön sanft sind die. Genau richtig als Soundtrack für den nicht ganz so ‘smoothen’ Start in die Arbeitswoche…

Für die Ewigwachgebliebenen zum Feierabendbier, für die Frühaufsteher als Seelenfutter zum Wochenbeginn: Montagssorbet mit Laut & Luise. Alles erlaubt, was gut tut und Gedanken kreisen lässt, nur der Name ist Programm: cremig, fluffig und ganz schön weich.

Das aktuelle Sorbet ist besonders fluffig:

# Ein jeder steht allein — August 15, 2015

# Ein jeder steht allein

Ich habe ein Herz für Lyrik. Ab und zu finde ich Gedichte, die mich berühren, die Dinge auf den Punkt bringen (wie es vielleicht nur Lyrik kann). Heute habe ich im Deutschlandfunk folgendes kurzes Gedicht von Salvatore Quasimodo gehört:

Ein jeder steht allein auf dem Herzen der Erde

Getroffen von einem Sonnenstrahl:

Und plötzlich ist es Abend.

Es sind wohl berühmte Zeilen, der Autor ist Nobelpreisträger. Ich kannte sie nicht. Bis grade eben. Für mich: schlicht und ergreifend. Das ganze Leben. In drei Zeilen.

#Feature-Tip: Zündfunk-Sendung über die Verachtung von Armut — August 3, 2015

#Feature-Tip: Zündfunk-Sendung über die Verachtung von Armut

Heute mal ein Hörtip, click it: Prolls, Assis und Schmarotzer – Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet

Zündfunk ist ein Hörfunk-Magazin im Bayrischen Rundfunk. Der Zündfunk Generator ist ein Platz für lange Features und Reihen, oft zu politischen oder zeitgeschichtlichen Themen. Aktuell ist dort die ganz hervorragende knapp einstündige Sendung von Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche zu hören.

Warum hervorragend? Weil ich finde, dass das Thema ‘Abgrenzung’ (worum es ja im Kern geht) allen ‘heißen Stühlen’ unserer Gesellschaft zueigen ist – und doch so selten benannt, diskutiert oder analysiert wird. Wir befinden uns im zehnten Jahr nach der Einführung von Hartz IV. Arbeitslosigkeit ist ein Fakt. Der Niedriglohnsektor boomt. Viele von uns sind von Altersarmut bedroht. Das Leben ist unsicher. Aber anstatt darüber zu sprechen und diese Angst mal zu thematisieren, grenzen wir uns ab, werten andere ab – und uns in der Abgrenzung auf.

Es ist doch interessant, dass Weiterlesen

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