#film: ANDERSON. Kein richtiges Leben im Falschen.

Der Film Anderson von Annekatrin Hendel lässt mich ratlos und aufgewühlt zurück. Es ist eine Annäherung an Sascha Anderson, ehedem schillernder Kulturpapst der Ostberliner Undergroundszene und Stasi-Spitzel. Der Film bittet auch seinen Freundeskreis von damals zu Wort, jene Verratenen, die er jahrelang ausspionierte. Als Zuschauer, so sollte man meinen, erfahren wir hier etwas über die „Strategien, die Leute an den Tag legen, um ein Ereignis, das aus der eigenen Biographie katastrophisch ragt, ins Weiterleben zu integrieren, sich das eigene Leben schlüssig erzählen zu können“ (Sebastian Markt). Der Film wirft viele Fragen auf, weitaus mehr als er beantwortet: eine Einladung zur Diskussion.

Sascha Anderson © DPA, click to view source

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#achtsamkeit: Loslassen und Präsenz

stressful_thoughtDer Frühling zeigt sein scheues Gesicht. Deshalb zwei Inspirationen über Loslassen und Präsenz: Auf der  bezaubernden Seite Pixel Thoughts kann man einen trübsinnigen Gedanken in ein Feld eintragen und diesen dann im Meta des Lebens, des Universums und des ganzen Restes vaporisieren sehen. Simple Idee und hübsche Umsetzung. Funktioniert auch im Büro: das Mini-Ritual dauert nur eine Minute. Als Zweites eine Sutra über Gegenwärtigkeit. Neulich traf ich einen Freund und er erzählt mir, dass er grade einen Text eines alten Zen-Meisters ließt, mit dem er viel anfangen kann. Zen ist ein Bereich, über den ich nicht viel weiß, aber mir gefiel schon immer die Weisheit und Rätselhaftigkeit buddhistischer Sutren; so dass ich es zum Anlass nahm, einmal wieder eine zu lesen. Diese fiel mir in die Hände:

Buddha erzählt in einer Sutra die folgende Parabel:

Ein Mann, der über eine Ebene reiste, stieß auf einen Tiger. Er floh, den Tiger hinter sich. Als er an einen Abgrund kam, suchte er Halt an der Wurzel eines wilden Weinstocks und schwang sich über die Kante. Der Tiger beschnupperte ihn von oben. Zitternd schaute der Mann hinab, wo weit unten ein anderer Tiger darauf wartete, ihn zu fressen. Nur der Wein hielt ihn.
Zwei Mäuse, eine weiße und eine schwarze, machten sich daran, nach und nach die Weinwurzel durchzubeißen. Der Mann sah eine saftige Erdbeere neben sich. Während er sich mit der einen Hand am Wein festhielt, pflückte er mit der anderen die Erdebeere. Wie süß sie schmeckte!

Quelle: Paul Reps (Hg), Ohne Worte – ohne Schweigen. 101 Zen-Geschichten und andere Zen-Texte

#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern

isolation_berlin_by_noel_richter[ Foto: NOEL RICHTER – Website, Tumblr, Facebook ]

Alle feiern Isolation Berlin ab. Ich auch. Das Record-Release-Konzert war ganz famos, viel besser noch gedacht. Nicht nur ist „Aus den Wolken tropft die Zeit“ ein guter Albumtitel und „Isolation Berlin“ ein guter Bandname, und die Location, nämlich die Feierhalle des Friedhofs am Südstern, spektakulär; vor allem aber haben die vier Jungs einen rohen und passionierten Live-Brocken rausgehauen. Und der fuhr direkt rein ins Herz. „#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern“ weiterlesen

#heilung: Fonds Sexueller Missbrauch

[UPDATE 4/2016: Anträge können über den 30. April 2016 hinaus gestellt werden!]

Grade wird viel über den Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich gesprochen, denn der Zeitraum für die Antragstellung geht zu Ende. Auch ich habe in den letzten Tagen Infos an Menschen aus meinem Umfeld geschickt, weil ich die Existenz des Fonds für eine (erstaunliche und) gute Sache halte und hoffe, dass möglichst viele Menschen davon profitieren und Gelder aus dem Fonds für sich nutzen können. Der Fonds hat ein kostenloses Infotelefon – 0800 400 10 50, bei dem Anrufende anonym bleiben können (keine Rufnummernübertragung, Name muss nicht genannt werden). Grade habe ich mit dieser Kontaktstelle telefoniert, um mir valide Infos zu besorgen:

WORUM GEHT ES?

Beim Fonds können Menschen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, Gelder für Sachleistungen beantragen, die der eigenen Heilung dienen. Pro Person können bis zu 10000€ beantragt werden. Hat man also bestimmte Therapien, Kurse, Seminare im Auge, die bisher unerschwinglich schienen, so lässt sich der Fonds genau dafür anzapfen. Die Antragstellung ist noch bis zum 30. April 2016 möglich.

WER KANN LEISTUNGEN BEANTRAGEN?

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#netzlese: Einsamkeit

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, welches immer noch nachhallt. Er sprach über seine bodenlose Einsamkeit, die ihn schier verzweifeln lässt. Er ist in gewissem Sinne ein Präzedenzfall für das heutige urbane Leben: er hat knapp Tausend Facebook-Freunde, bewegt sich in großen Cliquen durch das Berliner Nachtleben und hat keinerlei Probleme, Sexualpartner*innen zu finden. Und dennoch fühlt er sich einsam weil unverbunden. Es geht also um das Phänomen, sich in Gesellschaft einsam zu fühlen.

Das kenne ich auch. Die letzte Situation, die sich mir eingeprägt hat war ein Abend bei einer guten Freundin, wo wir mit ca. acht Leuten auf Sofas saßen, Wein tranken und Snacks aßen, Musik hörten und uns unterhielten, eigentlich beste Voraussetzungen für eine schöne gemeinsame Zeit. Die Konversation bestand aber fast ausschließlich aus „ironischem Kommentieren“ – „#netzlese: Einsamkeit“ weiterlesen

#fazit: Fragen zum Jahresresümee

Ich hatte mal einen guten Freund, der sich jedes Jahr mit großem Zeitaufwand sein Jahresheft zusammengestellt hat. Das waren schlichte selbstgebastelte Buchhefe im DIN-A-4-Format, die aus Texten und Fotos bestanden, hier und da ergänzt durch ein Flugblatt, eine Eintritts- oder Postkarte, ein getrocknetes Herbstlaubblatt. Diese Arbeit hat er immer zwischen den Jahren verrichtet und es war ihm wichtig, am Jahresende sein Heftbuch in den Händen zu halten und zu sehen, worin sein Jahr bestanden hatte. Mir hat diese Form der Visualisierung gefallen und ich durfte in manchen Jahren durch das aktuelle Heft blättern, was ich als Ehre empfand.

Auch ich bin eine Freundin des Resümees. Meist schreibe ich es, oder ziehe mit Freunden ein mündliches Fazit. Grade bin ich bei facebook über Fragen gestolpert, die sich gut zum Fazitziehen eignen. Da es ein ganzer Katalog war, habe ich dreizehn Fragen ausgewählt „#fazit: Fragen zum Jahresresümee“ weiterlesen

#more energy: Elizabeth Gilbert on toxic habits

Ich teile einen längeren Text von Elizabeth Gilbert. Sie ist die, die „Eat, Pray, Love“ geschrieben hat, ein Buch, das ich richtig kacke fand – obwohl ich es im Urlaub am Strand gelesen habe. Aber es war immens erfolgreich und wurde starbesetzt verfilmt. Es geht um den Selbstfindungstrip einer weißen priviligierten Frau, nämlich Elizabeth selbst, nach ihrer Scheidung. Sie durchläuft dabei die im Buchtitel erwähnten Stationen in Italien, Indien, Indonesien (wo auch sonst?) und erlebt unterwegs die offensichtlichen Abenteuer. Way. Too. Fucking. Obvious. Nach dem Buch war ich fertig mit Elizabeth Gilbert.

#flüchtlingshilfe: Wohin spenden, wie konkret helfen und was beachten?

Sehr gut: STIFTUNG WARENTEST hat heute ein siebenteiliges Spezial zur Flüchtlingshilfe veröffentlicht. Die Artikel bündeln in übersichtlicher Weise Links, Hinweise und Hilfestellung für ehrenamtliches Engagement und Spenden. Wenn wir (West-)Deutschen einer Institution vertrauen, dann ist es ja wohl Stiftung Warentest. Wenn von denen ein ‚GUT‘ auf einem Produkt prangt, kaufe ich es doch gleich viel lieber. Habe ich irgendwie mit der Mutter- und Ersatzmilch eingesogen und bin nun, ob ich will oder nicht, für immer Fan. Nehmen wir an, dass ich in dieser Sache einigermaßen exemplarisch bin. Dann wird womöglich JETZT das Volk erreicht.

Ich weise in diesem Zusammenhang noch auf die App helphelp2 hin, die freiwilligen Helfern anzeigt, welche Einrichtungen grade welche Art von Hilfe oder Sachspenden benötigen. Aktuell für Android verfügbar. Das Ganze basiert auf Google Maps. Mehr Infos gibts bei Motherboard.

#schimäre: Beobachtung/Randnotiz

Beobachtung: Heute war es ungewohnt voll. Im Sportkurs. Zu voll. Könnte man meinen. Die Matten waren schon lange alle und gefühlt gab es keinen Platz mehr im Raum. Und immer noch kamen Leute nach. Die Zuspätkommer. Eine gewisse Spannung breitete sich aus. Manche saßen auf zwei Matten, das ist gelenkschonender; einige gaben ihre zweite Matte ab, andere nicht. Die Kursleiterin hat gewartet bis alle da waren, die teilnehmen wollten, und uns dann neu im Raum angeordnet. Bis jede/r einen Platz hatte. Sie hat das mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit gemacht, die ich in dem Augenblick politisch fand.