#mjusike(video): CHER ZUM 70.

True confessions. Ich stehe total auf Cher. Mein Lieblingslied: (tonight you’re gonna go down in flames) Just like Jesse James. Mein zweitliebstes Lieg: Dead Ringer for Love (with Meat Loaf). Und weil es dazu ein heißes frühe-Achtziger-Video gibt, poste ich das mit meinen herzlichsten Glückwünschen an die gestern siebzig gewordene Cher:

Als Cher-Fan mag ich natürlich auch den Film „Die Maske“ von 1985. Cher spielt darin die Mutter von Rocky (Eric Stoltz), der an Dysplasie leidet und dessen Gesichtsproportionen durch die Krankheit stark deformiert sind. Im Film schreibt Rocky ein schönes kurzes Gedicht, das mir immer noch gefällt:

These things are good:

ice cream and cake, a ride on a harley, seeing monkeys in the trees, the rain on my tongue, and the sun shining on my face.

These things are a drag:

dust in my hair, holes in my shoes, no money in my pocket, and the sun shining on my face.

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#mjusike: WANN STRAHLST DU? / MONDO CANE

Ich widme diesem trüben Tag eine zuckersüße Netzperle: der Smash-Hit „Wann strahlst Du?“ von Erobique und Jacques Palminger wurde mit Bewegtbildern besoffener Bürgerinnen und Bürger visualisiert. Diese entstammen der „shockumentary“ Mondo Cane** von 1962 („on the Reeperbahn Strasse of Hamburg, Germans drink excessively and act incredibly stupidly, mehr Info unten) und schmiegen sich wie eine hauchzarte Federboa um den Song. Man kriegt sofort gute Laune:

Schnitt und Bearbeitung: Hilmar Stehr, Berlin 2015

Und hier die erhebenden Lyrics: „#mjusike: WANN STRAHLST DU? / MONDO CANE“ weiterlesen

#film: ANDERSON. Kein richtiges Leben im Falschen.

Der Film Anderson von Annekatrin Hendel lässt mich ratlos und aufgewühlt zurück. Es ist eine Annäherung an Sascha Anderson, ehedem schillernder Kulturpapst der Ostberliner Undergroundszene und Stasi-Spitzel. Der Film bittet auch seinen Freundeskreis von damals zu Wort, jene Verratenen, die er jahrelang ausspionierte. Als Zuschauer, so sollte man meinen, erfahren wir hier etwas über die „Strategien, die Leute an den Tag legen, um ein Ereignis, das aus der eigenen Biographie katastrophisch ragt, ins Weiterleben zu integrieren, sich das eigene Leben schlüssig erzählen zu können“ (Sebastian Markt). Der Film wirft viele Fragen auf, weitaus mehr als er beantwortet: eine Einladung zur Diskussion.

Sascha Anderson © DPA, click to view source

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#mediasteak: Die Revolution der Selbstlosen

Ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe und empfehle die arte-Dokumentation Die Revolution der Selbstlosen, die derzeit auf der zu bejubelnden Seite Mediasteak zum streamen bereitsteht. Das ist eine von zwei Berlinerinnen betriebene Seite, die für uns das Mediathekenangebot kuratieren und die Filetstücke herausfiltern. Klasse Ding. Ich bin jüngst zufällig darauf gestoßen, als ich besagte Doku anschauen wollte, sie jedoch bei arte nicht mehr verfügbar schien.

Der Film, den ich wärmstens empfehle, geht der Frage nach, wie wir die in uns allen angelegten positiven Eigenschaften wie Empathie, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn, Solidarität, Altruismus begünstigen und stärken können. (Das Zauberwort heisst: Achtsamkeit.)

Nach Studien der Universität Yale verfügen Babys bereits in den ersten Lebensmonaten über ein moralisches Urteilsvermögen, eine Art Gerechtigkeitssinn und zeigen spontan altruistische Verhaltensweisen. Angesichts der weltweiten Herausforderungen, die nach radikalen Veränderungen rufen, stellt sich die Frage, ob und wie diese positiven Charaktereigenschaften des Menschen gefördert werden können. Könnte man Selbstlosigkeit womöglich sogar üben? Unermüdlicher Botschafter dieser Überlegung ist der studierte Molekularbiologe Matthieu Ricard. Der buddhistische Mönch studiert mit Hirnforschern die Wirkung von Meditation auf das Gehirn – mit Erfolg. Zahlreiche Experimente zum Geistestraining weisen nach, dass die individuelle Wandlung möglich ist. Meditationsübungen an Schulen in Problemvierteln zeigen bereits überraschende Erfolge im Sozialverhalten und im Kampf gegen Aggressionen.

Interessanterweise ist für mich das Wort „selbstlos“ negativ konnotiert. Es klingt nach Christentum, Moral und Aufopferung. Der Thesaurus liefert mir genehmere Alternativen wie edelmütig, hilfsbereit, solidarisch, uneigennützig, nicht auf den eigenen Vorteil bedacht. All das können wir jedenfalls in rauen Mengen gebrauchen. Daher:

Zur Doku auf Mediasteak bitte hier entlang…

#netzlese: Dominas

Heute ist internationaler Frauentag – gradezu perfekt, um drei tolle Texte über Dominas zu teilen. Klug und superlesenswert:

[1] Undine de Rivière im ZEIT-Interview: Wenn man mich nach einer typischen Handbewegung fragt, dann ist das Handtücher falten.

[2] Karolina Leppert im Tagesanzeiger-Interview: Im Laufe der Session spüre ich, ob ich auf dem richtigen Weg bin, ob ich ihn unter- oder überfordere.

[3] Mistress Harley bei Broadley über financial & data domination: One day my husband saw me webcamming looking very, very bored. He said ‚you know you can do something different. There’s another fetish called financial domination.‘

#weirdandwondrous: Das Theremin

Termen_playing_his_invention

Quelle: Wiki Commons

Ich habe erst einmal ein Theremin live erlebt: bei einem Auftritt der Punkband PISSE im SO36. Die Band bestand an dem Abend aus Schlagzeug, Gitarre und dem enigmatisch anmutenden Theremin. Das ist ein elektronisches Musikinstrument, welches berührungslos gespielt wird, äußerlich in seiner modernen Form ein kleiner flacher Kasten mit zwei Antennen. Die eine Antenne ragt senkrecht nach oben, die andere geht waagerecht zur entgegengesetzten Seite. Das Besondere ist nun, dass man damit wie von Geisterhand Töne erzeugen kann, ohne das Instrument anzufassen: Der Spielende steuert Tonhöhe und Lautstärke mit Gesten. Das sieht magisch aus und hört sich auch so an. Der Schöpfer spielt auf seiner Schöpfung:

Der Instrumentenname stammt von seinem Erfinder (oben abgebildet), dem Russen Leon Theremin, „#weirdandwondrous: Das Theremin“ weiterlesen

#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern

isolation_berlin_by_noel_richter[ Foto: NOEL RICHTER – Website, Tumblr, Facebook ]

Alle feiern Isolation Berlin ab. Ich auch. Das Record-Release-Konzert war ganz famos, viel besser noch gedacht. Nicht nur ist „Aus den Wolken tropft die Zeit“ ein guter Albumtitel und „Isolation Berlin“ ein guter Bandname, und die Location, nämlich die Feierhalle des Friedhofs am Südstern, spektakulär; vor allem aber haben die vier Jungs einen rohen und passionierten Live-Brocken rausgehauen. Und der fuhr direkt rein ins Herz. „#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern“ weiterlesen

#ausstellung: „Licht and Tenebrae“ im HilbertRaum

Noch bis zum 7. Februar läuft eine schöne kleine Ausstellung im HilbertRaum in Neukölln. Sie trägt den etwas sperrigen dreisprachigen Titel „Licht and Tenebrae“, zu sehen sind Fotos und Videos. Eine Fotoinstallation hat mich besonders berührt: „Mami“ von Nat Tafelmacher-Magnat.

Das argentinische Kosewort für Großmutter ist Mami. In einem winzigen Raum sind Fotos zu sehen, die Nats Großmutter in verschiedenen Lebenphasen zeigen. Sie heißt Carmen, wie mir Nat erzählt, und ist 98 Jahre alt. Sie leidet an Alzheimer, so dass die Erinnerung an ihre eigene Vergangenheit schattig ist. Die Fotoquellen bestehen jeweils aus einer Fahrradlampe, einer Lupe und einem Dia; das Bild wird so auf Papierstreifen geworfen, die im Raum hängen. An der Wand, unangestrahlt, hängt zusätzlich ein großes aktuelles Foto von Mami. Diese ist offensichtlich bettlägerig, mit eingefallenem Gesicht, sie wirkt entrückt, man weiß nicht ob sie wach ist oder schläft, ob sie ansprechbar wäre. Ein stilles Leuchten liegt dennoch auf ihrem Gesicht.

Davor baumeln jüngere Versionen von Mami im Raum, als Kind und jüngere und ältere Frau – Bilder, so erzählt Nat auch, auf denen ihr ihre Großmutter fremd war, wie sie sie selbst nicht gekannt oder erlebt hat. Es sind Bilder aus dem Familienfotoalbum wie wir alle sie kennen, und darin liegt auch der Zauber dieser Installation. Mami könnte auch meine Oma sein. Meine eigene Großmutter ist auch über neunzig Jahre alt geworden, auch sie war in ihrem letzten Lebensjahr dement, kurz vor ihrem Tod hat sie mich nicht mehr erkannt.

„Mami“ ist ein einfaches Tableau, das mir etwas über Fragilität erzählt. Ich verstehe es auch als Plädoyer, den Augenblick zu ehren. Denn wer weiß, was bleibt.