#netzlese: Clausnitz, Krieg, Tod

Keine erbauliche Überschrift. Aber berührende und interessante Lektüre. Der erste Text von anonym ist eine ausführliche Bestandsaufnahme zu den jüngsten, älteren und permanenten rassistischen Vorgängen in Clausnitz und deren mediale Rezeption. Ich mag ihn, weil eine so ausführliche Schilderung unter Berücksichtigung der eigenen blinden Flecken und Fragen und Ratlosigkeit… selten geworden ist. Im zweiten Radiofeature von Ina Strelow geht es um Kriegstraumata und deren Auswirkungen auf den Mikrokosmos Familie; der traumatisierte Vater, seine Tochter und sein Sohn kommen zu Wort. Besonders gefällt mir der Titel, das Herz vergisst nichts. Und im Blogeintrag von Mareice Kaiser (deren Blog Kaiserinnenreich sehr toll ist, besonders lesenswert die Rubrik „Der Mutterfragebogen – Special Needs Edition„, die auch Superheldinnen heißen könnte) geht es um den Umgang mit der Trauer nach dem Tod des eigenen Kindes. Was die Beiträge eint, ist der Fokus die eigene Verletzlichkeit, die eigene Verortung im Thema.

[BLOG] Clausnitz: Ein Kommentar zur „Schande von Clausnitz“ – aus der Sicht eines Clausnitzers


[RADIO] SWR2 Tandem: Das Herz vergisst nichts – Kriegstraumata, die Wunden einer ganzen Familie.


 [BLOG] Kaiserinnenreich: Mit der Trauer im Netz

Advertisements

#weirdandwondrous: Das Theremin

Termen_playing_his_invention

Quelle: Wiki Commons

Ich habe erst einmal ein Theremin live erlebt: bei einem Auftritt der Punkband PISSE im SO36. Die Band bestand an dem Abend aus Schlagzeug, Gitarre und dem enigmatisch anmutenden Theremin. Das ist ein elektronisches Musikinstrument, welches berührungslos gespielt wird, äußerlich in seiner modernen Form ein kleiner flacher Kasten mit zwei Antennen. Die eine Antenne ragt senkrecht nach oben, die andere geht waagerecht zur entgegengesetzten Seite. Das Besondere ist nun, dass man damit wie von Geisterhand Töne erzeugen kann, ohne das Instrument anzufassen: Der Spielende steuert Tonhöhe und Lautstärke mit Gesten. Das sieht magisch aus und hört sich auch so an. Der Schöpfer spielt auf seiner Schöpfung:

Der Instrumentenname stammt von seinem Erfinder (oben abgebildet), dem Russen Leon Theremin, „#weirdandwondrous: Das Theremin“ weiterlesen

#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern

isolation_berlin_by_noel_richter[ Foto: NOEL RICHTER – Website, Tumblr, Facebook ]

Alle feiern Isolation Berlin ab. Ich auch. Das Record-Release-Konzert war ganz famos, viel besser noch gedacht. Nicht nur ist „Aus den Wolken tropft die Zeit“ ein guter Albumtitel und „Isolation Berlin“ ein guter Bandname, und die Location, nämlich die Feierhalle des Friedhofs am Südstern, spektakulär; vor allem aber haben die vier Jungs einen rohen und passionierten Live-Brocken rausgehauen. Und der fuhr direkt rein ins Herz. „#grauingrau: ISOLATION BERLIN – Record Release Konzert am Südstern“ weiterlesen

#ausstellung: „Licht and Tenebrae“ im HilbertRaum

Noch bis zum 7. Februar läuft eine schöne kleine Ausstellung im HilbertRaum in Neukölln. Sie trägt den etwas sperrigen dreisprachigen Titel „Licht and Tenebrae“, zu sehen sind Fotos und Videos. Eine Fotoinstallation hat mich besonders berührt: „Mami“ von Nat Tafelmacher-Magnat.

Das argentinische Kosewort für Großmutter ist Mami. In einem winzigen Raum sind Fotos zu sehen, die Nats Großmutter in verschiedenen Lebenphasen zeigen. Sie heißt Carmen, wie mir Nat erzählt, und ist 98 Jahre alt. Sie leidet an Alzheimer, so dass die Erinnerung an ihre eigene Vergangenheit schattig ist. Die Fotoquellen bestehen jeweils aus einer Fahrradlampe, einer Lupe und einem Dia; das Bild wird so auf Papierstreifen geworfen, die im Raum hängen. An der Wand, unangestrahlt, hängt zusätzlich ein großes aktuelles Foto von Mami. Diese ist offensichtlich bettlägerig, mit eingefallenem Gesicht, sie wirkt entrückt, man weiß nicht ob sie wach ist oder schläft, ob sie ansprechbar wäre. Ein stilles Leuchten liegt dennoch auf ihrem Gesicht.

Davor baumeln jüngere Versionen von Mami im Raum, als Kind und jüngere und ältere Frau – Bilder, so erzählt Nat auch, auf denen ihr ihre Großmutter fremd war, wie sie sie selbst nicht gekannt oder erlebt hat. Es sind Bilder aus dem Familienfotoalbum wie wir alle sie kennen, und darin liegt auch der Zauber dieser Installation. Mami könnte auch meine Oma sein. Meine eigene Großmutter ist auch über neunzig Jahre alt geworden, auch sie war in ihrem letzten Lebensjahr dement, kurz vor ihrem Tod hat sie mich nicht mehr erkannt.

„Mami“ ist ein einfaches Tableau, das mir etwas über Fragilität erzählt. Ich verstehe es auch als Plädoyer, den Augenblick zu ehren. Denn wer weiß, was bleibt.

#openaccess: Andrei Tarkowski

Nicht neu, aber toll: bei Open Culture („the best free cultural  educational media on the web“) kann man die Filme von Andrei Tarkowski streamen. Bei den bereitgestellten Links handelt sich um Verweise auf den YouTube-Channel des russisches Filmstudios Mosfilm. Es sind Originalversionen, englische Untertitel können per Klick auf ‚cc‘ in der Playerleiste eingeblendet werden:

Tarkovsky streaming

#heilung: Fonds Sexueller Missbrauch

[UPDATE 4/2016: Anträge können über den 30. April 2016 hinaus gestellt werden!]

Grade wird viel über den Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich gesprochen, denn der Zeitraum für die Antragstellung geht zu Ende. Auch ich habe in den letzten Tagen Infos an Menschen aus meinem Umfeld geschickt, weil ich die Existenz des Fonds für eine (erstaunliche und) gute Sache halte und hoffe, dass möglichst viele Menschen davon profitieren und Gelder aus dem Fonds für sich nutzen können. Der Fonds hat ein kostenloses Infotelefon – 0800 400 10 50, bei dem Anrufende anonym bleiben können (keine Rufnummernübertragung, Name muss nicht genannt werden). Grade habe ich mit dieser Kontaktstelle telefoniert, um mir valide Infos zu besorgen:

WORUM GEHT ES?

Beim Fonds können Menschen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, Gelder für Sachleistungen beantragen, die der eigenen Heilung dienen. Pro Person können bis zu 10000€ beantragt werden. Hat man also bestimmte Therapien, Kurse, Seminare im Auge, die bisher unerschwinglich schienen, so lässt sich der Fonds genau dafür anzapfen. Die Antragstellung ist noch bis zum 30. April 2016 möglich.

WER KANN LEISTUNGEN BEANTRAGEN?

„#heilung: Fonds Sexueller Missbrauch“ weiterlesen